Die Zoom-Leute haben heute auf ihrer Homepage neue System-Versionen für die Handy-(Audio-)Recorder bereitgestellt. Und zwar für den H2 die Version 1.70, für den H4 die Version 2.40 und für den H4n die Version 1.50. Laut Release Informationen handelt es sich bei allen Geräten um reine Fehlerbehebungen. Die meisten beschriebenen Fehler treten ausserdem nur in seltenen Konstellationen auf. Neue Funktionen sind nicht hinzugekommen. Aha, und wozu das ganze? Dadurch werden m.E. folgende Signale ausgesendet: es findet eine Produktpflege statt und es gibt keine nennenswerten Probleme mit den Geräten. Das ist doch schon mal was.
Seit gestern (07.07.2009) gibt es auf der Zoom-Site die neuen ASIO-Treiber für alle Handyrecorder von Zoom (H2, H4, H4n). Die Release-Notes nennen lediglich ein behobenes Problem, nämlich dass der Windows Media Player unter Windows Vista SP1 keinen Pieps von sich gegeben hat. Es ist beruhigend zu wissen, dass es keine dringenderen Probleme gibt. Allerdings hatte ich den ASIO-Treiber auch bisher (bis auf ein mal ausprobieren) nicht genutzt. Kann ja noch kommen…
Übrigens wird der überwiegende Teil des Speicherplatzes des ZIP-Archives (ca. 1,2 MB) von der ReadMe im PDF-Format verbraucht. Ich dachte schon an eine völlig neue (Setup-)Anwendung bei der Dateigröße im Vergleich zur Größe des vorherigen ZIP-Archives (ca. 234 KB), bei dem die ReadMe aber noch als TXT-Datei vorlag.
Meine erste größere Aufnahme mit dem Zoom H2 hatte ich bereits Mitte Dezember gemacht, also noch vor dem Weihnachtsmarkt-Recording und den Silvesterkrachern. Es war ein Konzert am 15.12.2007 in der Paulskirche zu Schwerin.
“Gloria!” lautete der Titel des Konzertprogramms des Jugendchors des Musik-Gymnasiums Schwerin zusammen mit dem Orchester “Concerto Celestino” unter Leitung von Bernd Spitzbarth.
Die Aufnahmebedingungen waren nicht unbedingt optimal, ich habe in der zweiten Bankreihe auf der rechten Seite gesessen. Während der Aufnahme habe ich das Gerät ständig in der Hand gehalten und hatte vorher auch keine Möglichkeit, die Aufnahme bei einer Probe einzupegeln.
Das erste Klangbeispiel ist die Aria aus “Introduzione e Gloria RV 588″ von Antonio Vivaldi:
Nach dem Vorspiel des Orchesters setzt der Solist (Meinderd Zwart) ein, da die Solisten aus Zuhörersicht rechts standen, hatte ich diese direkt vor mir, oder besser sogar über mir. Entsprechend klar und direkt kommen die Soli auch in der Aufnahme rüber. Auch das Orchester, etwa mit mir auf Augenhöhe, ist noch halbwegs klar und transparent hörbar, gerade in einer Kirche war das nicht unbedingt zu erwarten.
Als zweites Beispiel ist das ganz fantastische a capella Stück “Agnus Dei” von Samuel Barber zu hören:
Da der Chor hinter dem Orchester weiter weg von mir steht, ist die Räumlichkeit nicht besonders gut, die Aufnahme bleibt aber dennoch verständlich und wird nicht zu diffus.
Im dritten Beispiel, Kantate BWV 191 “Gloria in excelsis Deo” von Johann Sebastian Bach, beginnt das Orchester “Mit Pauken und Trompeten”, der Chor setzt etwas später ein:
Hier kommt nun ein Problem meiner nicht gerade optimalen Aufnahmeposition zum tragen. Der Chor wird vom Orchester akustisch etwas zugedeckt, kann sich nicht klar und verständlich durchsetzen. Bei einem zentralen und vor allem höheren Standort der Mikrofone (des Gerätes) wäre sicher ein ausgewogeneres Klangbild möglich gewesen. Allerdings darf man von einer einfachen XY-Stereo-Aufnahme mit zwei Mikrofonen auch keine Wunderdinge erwarten.
Insgesamt bin ich mit dem Ergebnis recht zufrieden. Dafür, daß die Aufnahme quasi aus der Hand und an einem nicht optimalen Stand- oder besser Sitzort erfolgte, kann sich das Ganze durchaus hören lassen. Auch das Publikum in der Kirche war begeistert und spendete am Ende des Konzertes kräftig Applaus:
Dem aufmerksamen Zuhörer wird vielleicht eine kleine Ungereimtheit in den Aufnahmen auffallen, ich habe das extra mal so belassen. Es hat etwas mit einer speziellen Einstellung des Zoom H2 zu tun.
Irgendwo müssen die Audiodaten, welche die Mikrofone liefern, die Vorverstärker verstärken, die AD-Wandler digitalisieren und der DSP verarbeitet ja hin. Da das Zoom H2 über keinen internen Speicher für die Audiodaten verfügt, wird ein Speichermedium benötigt. Eines gehört bereits zum Lieferumfang, eine 512MB SD-Karte. Man kann auch die älteren MMC-Karten verwenden, bei SD-Karten sind bis zu 4GB (SDHC) möglich.
Weil es Wechselmedien sind, kann man diese auch wechseln, und das sollte man besser auch tun. Also die Speicherkarte aus dem Gerät nehmen und mit einem USB 2.0 Kartenleser die Aufnahmedaten auslesen, besonders bei größeren Dateien. Denn auch wenn das Zoom H2 USB 2.0 kompatibel ist, überträgt es Daten nur mit maximal 12 MBit (Full Speed, ich hatte es schon angedeutet), wenn man es direkt als USB-Massenspeicher-Gerät an den PC anschließt, also nicht schneller als ein USB 1.x-Gerät.
Kartenspiele
Um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie schnell oder langsam die Datenübertragung wirklich ist, habe ich einen kleinen Test durchgeführt. Am Start waren eine MMC-Karte extrememory 256 MB, die mitgelieferte 512 MB SD-Karte und eine Sandisk Ultra II 2 GB SD-Karte. Übertragen wurde eine 250 MB große WAV-Datei. Mit dem Zoom H2 direkt als USB-Laufwerk am Rechner dauerte es von der MMC-Karte 6:30 Minuten, mit den SD-Karten 4:45 Minuten. Mit einem echten USB 2.0 Kartenleser (Sandisk ImageMate 12 in 1) waren die Daten von der MMC-Karte in 2:30 Minuten im Rechner, mit der originalen 512er SD-Karte dauerte es nur noch 30 Sekunden, die Sandisk Ultra II war sogar noch 5 Sekunden schneller.
Die MMC Karte ist selbst eher langsam, funktioniert zwar, ist aber eher ein Notbehelf und dürfte bei hohen Aufnahmedatenraten (24 Bit/ 96 kHz Stereo) Probleme bereiten. SD-Karten sind natürlich erste Wahl, sollten aber nach der Aufnahme besser in einem externen USB 2.0 Highspeed Kartenleser ausgelesen werden.
Noch ein Hinweis zum Kartenwechsel. Das Zoom H2 speichert alle Einstellungen wie Aufnahmemodus, Dynamik-Funktionen und sonstige Konfigurationsdaten auf der SD-Karte. Damit gehen diese Einstellungen bei einem Kartenwechsel verloren, bzw. kommen wieder zurück, wenn man die ursprüngliche Karte in das Gerät steckt. Man darf sich also nicht wundern, wenn mit einer neuen Karte alle Einstellungen wieder auf die Werkseinstellungen zurückgesetzt sind. Auch ein Formatieren des Datenträgers im Gerät befördert neben den Aufnahmen auch die Einstellungen ins Nirvana.
Knaller und bohrende Fragen
Weil kurz nach Weihnachten Silvester ins Haus steht, wollte ich es aufnahmetechnisch richtig Krachen lassen. Da ich aber selbst auch ein wenig feiern wollte, habe ich das Zoom-H2 kurzer Hand mit einer Stativklemme draußen am Fensterrahmen befestigt und mehr oder weniger sich selbst überlassen. Rausgekommen oder besser reingekommen ins Geät ist dabei das:
Ist natürlich nur ein Ausschnitt, die Gesamtaufnahme war etwa 450 MB groß (16 Bit, 44 kHz, Stereo), die ich in knapp einer Minuten mit dem Kartenleser im Rechner hatte.
Immer wieder angenehm zu hören ist ja so ein Zahnarzt-Bohrergeräusch. Da bei mir ohnehin ein Loch gestopft werden mußte, hatte ich die Gelegenheit wahrgenommen, um das beliebte Bohren auzunehmen. Hier ist erstmalig eine besondere Eigenschaft des Zoom-H2 zum Tragen gekommen, nämlich die Tatsache, daß das Gerät über vier Mikrofone verfügt. Allerdings war die Auswirkung nicht so, wie ich es gewollt hätte.
Bisher hatte ich immer mit den rückseitigen Mikrofonen aufgenommen, einfach deshalb, weil sich die Schallquelle mir gegenüber befand und ich so das Display im Auge behalten konnte. Man will ja wissen, wie lange schon aufgenommen wurde, wie es mit den Akkus aussieht und ob der Pegel im grünen Bereich liegt.
Beim Zahnarzt habe ich das Gerät auch so aufgestellt, das ich die Anzeige sehen konnte, nur war ich dieses mal selber, oder eher mein Zahn nebst Bohrer die Schallquelle. Tja, da hätte ich besser die vorderen Mikrofone aktivieren sollen. Habe ich aber nicht, rausgekommen ist dabei das:
Ich habe also den Raumschall aufgenommen, das Bohren ist kaum zu hören und wird zudem vom Rauschen und Blubbern dieses Absaugrüssels übertönt. Dabei ist das eigentlich nicht zu übersehen, welche Mirkofone aktiv sind, es gibt extra mit “MIC ACTIVE” bezeichnete LEDs, welche den Betriebszustand signalisieren. Man muß halt nur darauf achten.
Vier Mikrofone sind ja ganz nett, man sollte sich aber immer darüber im klaren sein, wo die Schallquelle ist und welche Mikrofone dafür optimalerweise aktiv sein sollten.
Was macht ein elektronisches Gerät zu einem mobilen Gerät? Richtig, die Unabhängigkeit vom Stromnetz, also die Möglichkeit, es z.B. mit Batterien oder Akkus zu betreiben. Dabei stellt sich immer die Frage, wie lange diese Unabhängigkeit funktioniert bevor man die Akkus nachladen oder die Batterien wechseln muß.
Energie!
Einen Vorteil hat das Zoom H2 schon mal, es läßt sich mit zwei handelsüblichen Batterien oder Akkus im Format R6 (Mignon,AA) bestücken. Viele Geräte verwenden spezielle Akkus oder habe nur eine interne Stromquelle die z.B. über USB geladen werden muß. Für das H2 kann und sollte man sich einfach einen Satz Wechselakkus einstecken, auch im Fotobereich halte ich das so. Erfahrungsgemäß machen die Batterien immer genau dann schlapp, wenn ein wichiges und einmaliges Ereignis aufgenommen werden soll, z.B. die Einschulung des Lieblings-, weil einzigen Kindes. Aber das ist eine andere Geschichte…
Der Hersteller nennt im Handbuch für einen Satz Batterien eine Laufzeit von 4 Stunden im Aufnahmemodus, divers Testberichte bemängeln sogar diese relativ kurze Betriebszeit. Ich wollte es natürlich selber wissen und habe den Laufzeittest gemacht.
Für alle Tests habe ich als Aufnahmemodus MP3 VBR (variable Bitrate) gewählt, Plugin-Power und die Dynamikfunktionen (AGC, Kompressor bzw. Limiter) waren abgeschaltet. Im Schacht steckte eine SanDisk Ultra II 2GB SD-Karte.
Laufzeit
Erster Testkandidat waren Alkaline Duracell-Plus Batterien (MN1500 LR6, MAR 2014), die Aufnahme im Dauerlauf war nach nach etwa 6 Stunden und 40 Minuten beendet. Also schon mal deutlich mehr, als die versprochenen 4 Stunden. Nun kamen NiMH-Akkus ins Gerät, zwei voll geladene 2700er VARTA Professional No. 5706 (AA Mignon HR6 Ni-MH 1.2V). Die Laufzeit betrug mit diesen gute 9 Stunden und 30 Minuten, ein durchaus guter Wert. Um auch den Einfluß der Display-Beleuchtung auf die Laufzeit abschätzen zu konnen, gab es einen weiteren Test mit neu aufgeladenen Akkus und dauerhaft eingeschalteter Hintergrundbeleuchtung (möglich sind auch “Aus”, “15 Sekunden” oder “30 Sekunden”). Die Daueraufnahmezeit verkürzte sich dabei auf 8 Stunden 20 Minuten, also um etwa 15 Prozent.
Nun ist so ein Dauerlauf-Test bestimmt nicht wirklich praxisgerecht, denn normalerweise kommen noch mehr Bedienhandlungen und Ein-/Ausschaltvorgänge hinzu, aber als grobe Orientierung zeigen die Werte zumindest, daß der Zoom H2 sicher nicht ganz so schlecht dasteht, wie es vielleicht in dem einen oder anderen Test rauskam.
Die Batteriestandsanzeige des H2 (im Display unten links) ist, wie die so vieler anderer Geräte auch, alles andere als zeitlinear. Von den drei Segmenten ist das erste schon nach kurzer Zeit weg, auch das zweite macht es nicht lange. Aber selbst wenn das dritte Segment verschwunden ist, besteht noch kein Grund zur Panik, des Gerät hält dann normalerweise noch mindestens eine Stunde durch.
Außerdem sollte man sich bei Akkuwechsel nicht zu lange Zeit lassen (nicht länger als 1 bis 2 Minuten), sonst vergißt der Recorder Datum und Uhrzeit. Steht auch irgendwo als Hinweis im Handbuch, nur das man sich nicht wundert wenn beim Einschalten wieder nach Datum und Uhrzeit gefragt wird.
Außenaufnahme
Mit dem guten Gefühl ausreichender Mobilität und zwei Ersatzakkus in der Tasche wagte ich nun meine erste Außenaufnahme fernab der Wohnung. Da es kurz vor Weihnachten war, bot sich ein Besuch des Weihnachtsmarktes an, obwohl ich eigentlich kein so großer Fan davon bin. Aber akustisch hat so ein Markt ja so einiges zu bieten. Auf dem Weg dorthin kam mir noch ein aufgeregter Hund vors Mikro:
Kann ich verstehen, daß der nicht so begeistert war, bei der Kälte angeleint draußen sitzen zu müssen.
Auf dem Markt ging es dann aber richtig zur Sache, die Brassband “Potzblech” der Musik- und Kunstschule Ataraxia spielte auf, zum Titel muß ich wohl nichts weiter sagen:
Naja, mitspielen hätte ich da nicht wollen, es war kalt (etwa -2 °C) und ungemütlich, mir frohren schon bald die Hände. Und die Band hat nicht nur den einen Titel gespielt. Ich bin dann aber schon nach kurzer Zeit in Richtung warmes Zuhause abgerückt, den Zoom H2 hat die Kälte aber offensichtlich nicht beeindruckt.
Vor dem zweiten Teil meines Erfahrungberichtes schiebe ich mal noch ein paar Bilder ein, Fotostrecke nennt sich sowas wohl im aktuellen Online-Medien-Deutsch:
Zoom H2 Audiorecorder
Zoom H2 Gehäuse vorn
Zoom H2 Gehäuse Oberteil
Zoom H2 Gehäuse Hinten
Zoom H2 Gehäuse Unterteil
Zoom H2 Platine Oberseite
Zoom H2 Platine Unterseite
Zoom H2 Mikrofon-Kapseln
Zoom H2 Mikrofonträger
Als Techniker mit der “Lizenz zum Löten” interessieren mich meist auch die inneren Werte von Geräten. Sofern es nicht allzu kompliziert aussieht, greife ich gerne zum Werkzeug und zerlege das Gerät, soweit ich es dann auch wieder zusammengebaut bekomme.
Der Zoom H2 besteht aus zwei Gehäuseschalen, im Oberteil ist die Bedienelektronik mit dem Display montiert, das habe ich nicht weiter auseinander gebaut. Das Unterteil mit dem Batteriefach trägt die eigentliche Elektronik-Platine mit der Träger-Platte für die Mikrofonkapseln.
Herzstück des Zoom H2 ist ein DSP von “Texas Instruments”, namentlich der TMS320VC5509A, ein für den mobilen Bereich optimierter Digitaler Signalprozessor. Da der interne Speicher des DSP mit 64kB ROM und 256kB RAM nicht ausreichend ist, stehen ihm zusätzlich 8MB SDRAM EM638165TS von “Etron Tech” und 1MB Flash-ROM EN29LV800BT (Nachfolger EN29LV800C) von “Eon Silicon Solution” als Programmspeicher zur Seite. Wie man dem Datenblatt des TI-DSPs entnehmen kann, unterstützt dieser USB 2.0 Full-Speed, dazu später im Erfahrungsbericht mehr.
Der Analog-Teil wird von drei Dual-OPVs (Operationsverstärker) dominiert, hier kommen die NJM2100 von “JRC” zum Einsatz. Außerdem findet man im Analogbereich noch einen 4-fach Analog-Schalter TS3A5018 von “Texas Instruments”. Die Analog-Digital-Wandlung (ADC) übernehmen zwei “Texas Instruments” Stereo-ADC/-DAC vom Typ TLV320AIC32. Diese können 24 Bit mit 96 kHz umsetzen.
Bei den letztgenannten Schaltkreisen im Analog- bzw. Wandlerteil war es gar nicht so einfach, die genauen Typen zu finden, da auf SMD-Bauelementen meist wegen des Platzmangels nicht die vollständige Typenbezeichnung sondern nur eine Kurzform aufgedruckt ist. Ich hoffe aber, daß ich mit meiner “Entschlüsselung” richtig liege.
Nicht ganz unwichtig sind die Mikrofon-Kapseln, deren vier man im Zoom H2 findet. Leider gibt es da keinerlei Aufdrucke die Hinweise auf den Hersteller oder die Typenbezeichnung geben könnten. Sie haben einen Durchmesser von 10 mm und sind 4,5 mm dick.