“Der GW-7 besitzt drei Effektblöcke: Reverb, Chorus und Multi-Effekte (MFX).” weiss die Bedienungsanleitung zu berichten. Allerdings steht auch in der Bedienungsanleitung, dass der Chorus-Effekt nur nutzbar ist, wenn der MFX-Block deaktiviert ist. Wozu also 3 Effekte, wenn doch nur 2 gleichzeitig nutzbar sind? Neben dem Marketing-Aspekt (drei Effektblöcke!) könnte die Antwort im Effekt-Routing zu finden sein. Darüber liest man in der Bedienungsanleitung jedoch nichts. Reverb und Chorus scheinen globale Send-Effekte zu sein, die von allen Parts per Send-Volume genutzt werden können. Die Effekt-Summe wird der Keyboardsumme zugemischt. Dem gegenüber ist wohl der MFX als Insert-Effekt realisiert, der nur einem Part (und zwar dem Haupt-/Keyboard-Part) zur Verfügung steht. Was auch nicht in der Bedienungsanleitung steht ist die Tatsache, dass diese Einschränkung (Chorus nur nutzbar wenn MFX ausgeschaltet ist) für einen Tone (oder besser Part) gilt. Interessant ist die Sache immer dann, wenn außer dem Haupt-/Keyboard-Part noch andere Parts genutzt werden: zum Beispiel im DUAL-Mode, im SPLIT-Mode oder im SONG-Mode. Dann kann man nämlich den Haupt-/Keyboard Part mit Reverb und MFX nutzen und (einen) andere(n) Part(s) mit Reverb und Chorus. Natürlich kann zeitgleich nur ein Reverb-Type und ein Chorus-Type eingestellt sein. Damit sind aber in Summe wieder drei Effektblöcke gleichzeitig aktiv. Aha. Direkt kann man zwei Parameter (für einen/den aktiven Part) über die C1- und C2-Regler auf der Bedienoberfläche steuern: Reverb-Send und Chorus-Send. Indirekt (über das Menü EFFECTS) kann man noch weitere Parameter einstellen. Alle Effekt-Parameter sind im EFFECTS-Menü zusammengefasst. Sie werden aber in unterschiedlichen Situationen mit abgespeichert. Das hat mich anfangs eher verwirrt. Ich habe dann für mich mal folgende Übersicht entwickelt, welche Parameter in welchen Modes gespeichert werden:
global
- Tone MFX (on/off, bestimmt ob der MFX beim Wechsel des Tones verändert wird)
Tone
- MFX (off, Type)
- Cho Main (Send-Volume des Haupt-/Keyboardpart für Chorus-Effekt)
- Rev Main (Send-Volume des Haupt-/Keyboardpart für Reverb-Effekt)
Performance
- Chorus (off, Type)
- Cho Dual (Send-Volume des zweiten Tone im Dual-Mode für Chorus-Effekt)
- Cho Split (Send-Volume des Lower Part im Split-Mode für Chorus-Effekt)
- Reverb (off, Type)
- Rev Dual (Send-Volume des zweiten Tone im Dual-Mode für Reverb-Effekt)
- Rev Split (Send-Volume des Lower Part im Split-Mode für Reverb-Effekt)
Nicht überraschen kann hingegen, dass der Reverb-Effekt verschiedene Reverbs (Room 1-3, Hall 1-2, Plate, Delay, Pan Delay) und der Chorus verschiedene Chorüsse (Chorus 1-4, Feedback Chorus, Flanger, Short Delay, Short Delay Feedback) bereitstellt. Die MFX-Liste ist da etwas länger (47 Typen). Neben verschiedenen Einzeleffekten (Enhancer, Overdrive, Distortion, Phaser, Auto Wah, Rotary, Flanger, Compressor, Limiter, Chorus, Tremolo, Delay, Gate, Pitch) gibt es ein paar in Reihe (z.B. Overdrive -> Delay) und parallel (z.B. Chorus und Flanger) geschalteter Kombinationseffekte.
Die Klangqualität der Effekte würde ich als durch die Bank brauchbar einschätzen. Trotz der stark eingeschränkten Parametrierbarkeit der Effekte stellen sie keine Schwachstelle für das GW-7 dar.
D Beam Controller
Der D Beam Controller ist eine Einrichtung von nebeneinander angeordnetem Infrarot-Sender und Empfänger, der auf das Umlenken (also die Reflektion) des Infrarotstrahls zum Empfänger (zum Beispiel durch eine darüber gehaltene Hand) reagiert. Das funktioniert auch in unterschiedlicher Stärke - also bezogen auf die empfangene Lichtmenge. Die durch den D Beam Controller ausgelösten Ereignisse sind zwei Assignable-Tastern zuweisbar, von denen immer nur einer aktiv sein kann. Sind beide Taster deaktiviert (leuchten nicht) ist der Controller ausgeschaltet. Als zuweisbare Ereignisse stehen eine Reihe von fragwürdigen Geräuschen (Trommelwirbel, Blubberblasen, Wasserfall, Explosion, Pistolenschuss, Schrei, Vogelgezwitscher, Hundegebell, Lachen, Beifall u.ä.) zur Verfügung. Es können aber auch Modulation (identisch mit Modulationshebel), Bend Up/Down (Tonhöhenmodulation), Expression (identisch mit Expression-Pedal, also letztlich die Lautstärke), Fill (identisch mit Fill-Taster) und Fade out (Lautstärke geht gegen null) zugewiesen werden. Die Spieleffekte (z.B. Trommelwirbel) können in einem Song nicht aufgezeichnet werden. Andere Ereignisse, die selbst auf MIDI-Parameter wirken, werden aufgezeichnet und auch über MIDI ausgegeben. Nettes Spielzeug.
Die Begleitautomatik wird beim GW-7 als Backing bezeichnet. Meinetwegen; immer noch einfacher als Accompaniment. Was die virtuelle Band hierbei spielen soll ist in einem Style abgelegt. Von diesen Styles hat das GW-7 immerhin 110 verschiedene fest eingebaut (Preset Styles). Weitere Styles (stl-Format) können über USB auf das GW-7 übertragen werden. Sie sind (nach interner Konvertierung) dann als User-Styles aufrufbar. Das mit jedem Style voreingestellte Tempo kann verändert werden. Beim Aktivieren des Backing Track wird die Tastatur geteilt (bei C4) – auf der linken Seite gibt man der Begleitautomatik dann die Akkorde vor und auf der rechten Seite spielt man den Solopart (mit dem gewählten Tone).
Für die Akkorderkennung gibt es laut Bedienungsanleitung nun drei verschiedene Möglichkeiten, die über das Menu (Chord Mode) einstellbar sind. Bei der ersten Möglichkeit (Chord Mode off) wird der Akkord exakt aus den gespielten Noten gebildet. Hier gibt es bei der Akkordbildung keine Einschränkungen.
Im Mode 1 wird die Roland Chord Intelligence angewandt. Dazu gibt es eine Übersicht in der Bedienungsanleitung. Angefangen von Dur-Akkorden, die mit dem Grundton erzeugt werden können (Note C = C-Dur), über Dur-Akkorde mit Septime oder großer Septime, verminderten Dur-Akkorden und Moll-Akkorden die mit dem Grundton und einer weiteren Note gegriffen werden können (Noten C und Bb = C7, Noten C und B = CM7, Noten C und Gb = Cdim, Noten C und A = Cm) bis zu Moll-Akkorden mit Septime oder großer Septime die mit dem Grundton und zwei weiteren Noten erzeugt werden (Noten C und Eb und Bb = Cm7, Noten C und Eb und B = CmM7) ist hier einiges möglich. Weitere Akkorde werden einfach im Original gegriffen (Noten C, F, G, Bb = C7sus4).
Mode 2 ist m.E. die zu anderen Begleitautomatiken kompatible Variante mit Einschränkungen für erweiterte Akkorde. So kenne ich das jedenfalls noch von einem uralten Bontempi-Keyboard und bei meinem ersten Yamaha-Keyboard war es auch so. Das funktioniert kurz gesagt so: Dur-Akkorde werden durch den Grundton gespielt (Note C = C-Dur), Moll-Akkorde werden durch den Grundton plus der schwarzen Taste links daneben gebildet (Noten C und Bb = C-Moll), Dur-Akkorde mit Septime kann man mit dem Grundton und der weißen Taste links daneben erzeugen (Noten C und B = C7), Moll-Akkorde mit Septime werden durch den Grundton plus der schwarzen und der weißen Taste links daneben erreicht (Noten C und B und Bb = Cm7). Mehr geht hier nicht.
Für die Begleitung gibt es unterschiedliche Muster oder Phrasen: Intro (Einleitung), Original (z.B. Strophe), Fill In (welches von Original zu Variation überleitet und umgekehrt), Variation (z.B. Refrain) und Ending (Schlussphrase). Hier haben andere Keyboards oft deutlich mehr zu bieten indem für jedes Muster mehrere Alternativen bereitgestellt werden. Das wäre sicher für den ambitionierten Entertainer (der ich nicht bin) auch unverzichtbar. Ein wenig darüber hinweg tröstet dabei die Möglichkeit, die Begleitband auf Knopfdruck „auszudünnen“. Das erledigt man durch die Wahl des BAND TYPE. Standardeinstellung ist FULL, weniger ist COMBO, noch weniger ist DRUMS & BASS. Dieses Feature gefällt mir doch sehr.
Nachfolgend ein paar Beispiele, damit ihr einen Eindruck davon bekommt. Zu hören ist nur die Begleitautomatik in der jeweiligen Einstellung. Ich habe immer mit dem Intro begonnen, ein paar Takte mit der Original-Phrase gespielt, mit dem Fill In zur Variation übergeleitet und letztlich mit dem Ending aufgehört.
Preset Style ElecRock:
Band Type: Drums & Bass
Band Type: Combo
Band Type: Full
Preset Style Hip ‘n Hop:
Band Type: Drums & Bass
Band Type: Combo
Band Type: Full
Die Preset-Styles empfinde ich schon mal als sehr vielseitig und oft auch als brauchbar. Interessant und wichtig ist auch die Möglichkeit User-Styles nachladen zu können. Im Lieferumfang des Keyboards enthalten ist ein Style-Konverter-Programm, welches SMF-MIDI-Dateien zu Styles konvertiert. Damit werde ich mich noch eingehender in einem späteren Artikel beschäftigen.
Performance
Was beim GW-7 Performance heißt wird andernorts Registrierung genannt, was m.E. zielführender ist. Demnach ist darunter die Speicherung einer kompletten Einstellung des Keyboards zu verstehen. Um genau zu sein werden Style, Band Type, Tempo, Tone, bestimmte Effekteinstellungen, und Keyboard Touch (Velocity On bzw. fester Wert) gespeichert. Wenn man also die Zusammenstellung der genannten Einstellungen zur Zufriedenheit abgeschlossen hat, kann man diese als User-Performance speichern und auf Knopfdruck wieder hervorholen. Unglücklicher Weise wurden dem GW-7 nur 32 Speicherplätze für User-Performances mitgegeben. Und noch unglücklicher: man kann sie auch nicht über USB sichern oder austauschen. Bleibt höchstens die Möglichkeit über MIDI Bulk Dump. Die fest eingebauten 110 Preset-Performances betrachte ich als Anregungen und als solche sind sie es Wert, ausprobiert zu werden.
Die Song-Funktion
Es gibt (wenn man so will) im GW-7 einen Preset-Song – nämlich den Demo-Song. Dieser wird jedoch nicht über den Song-Mode aktiviert, sondern über die Tastenkombination SHIFT + EXIT. Da man dieses Kunstwerk meiner Meinung nach nicht gehört haben muss, will ich kein weiteres Wort darüber verlieren. Ein Song entsteht durch die Aufnahme der in Echtzeit gespielten Noten (einschließlich ggf. laufendem Backing) in einem Sequenzer mit 16 Spuren. Wobei ich mit Echtzeit das eingestellte Tempo meine. Es ist natürlich möglich das Tempo für die Aufnahme langsamer einzustellen um das Einspielen anspruchsvoller Parts zu erleichtern und den Song dann in einem schnelleren Tempo abzuspielen.
Jede Aufnahme landet zunächst im temporären Song (Sng00). Möchte man die Aufnahme für die Nachwelt erhalten, muss diese in einem der 99 User Songs gespeichert werden. Ansonsten ist er beim Ausschalten des Gerätes für immer verloren. Das Laden eines bereits gespeicherten Songs überschreibt die Daten des temporären Songs. Songs können genau wie die Styles über USB vom und zum Rechner übertragen werden. Sie tragen die Dateiendung SMF. Übrigens können auch MIDI-Dateien auf das GW-7 übertragen und abgespielt werden.
Für die Aufnahme gibt es vier Modi: ALL (es wird auf allen Spuren aufgezeichnet, also Backing und Keyboard-Part), KBD (nur der Keyboardpart wird aufgenommen). Diese Modi sind zur Aufnahme eines neuen Songs vorgesehen. Für einen bereits aufgezeichneten Song stehen die Modi SINGLE (Aufnahme bzw. Überschreiben einer wählbaren Spur) und PUNCH (Aufnahme bzw. Überschreiben einer Passage einer wählbaren Spur) zur Weiterentwicklung oder Ausbesserung des Songs bereit. Einen Step-Modus, der die Eingabe von Noten ohne den im Tempo laufenden Sequenzer ermöglicht, gibt es nicht (von einem MIDI-Event-Editor mal ganz abgesehen). Durch das Backing und den Keyboardpart werden nicht alle 16 Spuren belegt. Mindestens die Spuren 12 bis 15 stehen ergänzenden Eigenkreationen zur Verfügung. Im Sequencer werden für das Backing die Noten und nicht nur die Steuerinformationen aufgezeichnet. Ein Indiz dafür ist, dass der Style als auch der Band Type nachträglich nicht mehr änderbar sind. Vielmehr haben die Band Type Taster eine andere Funktion. Mit ihnen können drei (vorbelegbare) Spuren stummgeschaltet werden. Standardmäßig sind das die Spuren 10 (Backing Drums, Taster BRUMS & BASS), 1 (Backing 1, Taster COMBO) und 2 (Backing Bass, Taster FULL). Die Taster für die Anwahl des Backing Musters erfüllen im Song Mode auch eine andere Aufgabe, nämlich Setzen der Marker A und B, Wiederholen des durch die Marker A und B markierten Bereichs, Rücksetzen zum Songanfang, taktweises Rück- und Vorspulen. Diese Funktionen sind mit Song Control unterhalb der Taster beschriftet.
Mit der Weiterverarbeitung der MIDI-Song-Dateien in meiner DAW werde ich mich demnächst beschäftigen und sicher auch etwas dazu schreiben.
Soweit für heute. Demnächst geht es noch um die Effekte und den D Beam Controller sowie die Style-Konvertierung und die Weiterverarbeitung der aufgezeichneten MIDI-Dateien.
Am Freitag ist das GW-7 nun angekommen. Gut verpackt hat es den Transport unbeschadet überstanden. Mit 5 kg Gewicht ist das Keyboard ohne weiteres leicht zu transportieren - das kommt mir sehr entgegen. Dem ausgepackten Gerät sieht man an, dass es gerade erst 4 Monate alt ist – kein Kratzer, nichts. Schick ist es auch, finde ich. Aber das ist eher Geschmackssache. Starten wir also zu einem kleinen Rundgang.
Zuallererst: Lautsprecher sucht man hier im Gegensatz zu den meisten Keyboards mit Begleitautomatik vergebens – in meinen Augen bzw. Ohren kein Nachteil. Die 61 Tasten sind eher straff gefedert und für mich gut bespielbar. Die Tastatur ist anschlagdynamisch, hat aber keinen Aftertouch. Die Charakteristik der Anschlagdynamik kann nicht angepasst, nur komplett abgeschaltet werden. Pitch und Modulation sind (Roland-typisch) statt mit separaten Rädern in einem kombinierten Bender/Modulations-Hebel realisiert. Die Bedienung dieses Hebels bedurfte bei mir einer gewissen Gewöhnung, war dann aber gut – allerdings durch die kurzen Wege nicht zu präzise - zu handhaben. Soweit mein Erkenntnisprozess vorangeschritten ist, kann die Modulation (vertikale Achse des Hebels) ausschließlich auf die Tonhöhe (Vibrato) angewendet werden (Ausnahme: wenn als Multieffekt Rotary eingestellt ist, wird auch die simulierte Drehgeschwindigkeit gesteuert) und das ergibt in meinen Ohren meist ein schreckliches Geleier. Ob und in wie weit der D Beam Controller (links oben im Bedienfeld) diese Situation verbessern kann, werden wir noch sehen. Die größeren Taster des Bedienfeldes kenne ich bereits von anderen Roland-Geräten. Sie vermitteln beim Betätigen einen wertigen Eindruck. Das VALUE-Rad fällt da etwas ab, funktioniert aber zuverlässig. Die restlichen, kleineren Taster sind ein bisschen wackelig. Die Regler (Volume, C1, C2) laufen satt und nicht zu leichtgängig. Das LCD ist hell und gut abzulesen. Der Kontrast ist einstellbar, allerdings nicht in direktem Zugriff sondern über ein dreistufiges Menu. Im oberen Drittel des Displays werden die aufgerufenen Programme (Tone, Style, Performance, Song) in großer Schrift angezeigt. Im linken unteren Teil des Displays ist eine Tastatur-Grafik abgebildet, auf der die von der Begleitautomatik wiedergegebenen Akkorde mit Punkten angezeigt werden. Darüber wird das Akkordsymbol dargestellt. Rechts daneben wird die Taktnummer (im Song-Mode), das Tempo (Beats per Minute) und der Beat mit vier Segmenten angezeigt. Darunter erscheint das gerade wiedergegebene Muster der Begleitautomatik (Intro, Original, Fill In, Variation, Ending). Die Bedienungsanleitung weiß zu berichten: „Im Display werden alle wichtigen Informationen angezeigt.“ Ich meine: die vielen leuchtenden oder nichtleuchtenden Taster sind ebenso informativ und entlasten das Display von zu hoher Datendichte.
An Anschlüssen (alle auf der Rückseite) vermisse ich nichts. Neben der DC In-Buchse, an die der mitgelieferte Netzadapter angeschlossen wird, gibt es einen Power-Schalter. Die Audio-Outputs sind mit Kopfhörer-, R- und L(mono)-Klinkenbuchse vertreten. Ein Hold- und ein Control-Pedal können auch angeschlossen werden. Über MIDI kann das Gerät mit In- und Out-Buchse verbunden werden. Der USB-Anschluss dient der Verbindung mit dem Computer. Hier wird ein Laufwerk (witzige 2 MB) angemeldet. MIDI gibt es über USB nicht.
Innereien - die Sounds (respektive Tones)
Bei Roland heißt ein Sound Tone und davon sind 606 verschiedene als Presets eingebaut. Zusätzlich gibt es 50 Drumsets. Die Tones können über 10 Kategorien (Piano, KBD/Organ, Strings, Scat, Sax/Brass, Synth, World1, World2, Drums) mit separaten Tastern auf der rechten Seite des Bedienfeldes angesprungen werden. Weitergesucht/-geschaltet wird dann mit dem VALUE-Rad. Eine Zehnertastatur für die direkte Anwahl gibt es nicht. Mit Vorwahl über die Favorite-Taste kann auf jeder der 10 Kategorie-Tastern ein Lieblings-Tone abgelegt und abgerufen werden. Es gibt einen Split- (linker und rechter Bereich der Tastatur spielen verschiedene Tones) und einen Dual-Mode (auf der gesamten Tastatur werden zwei Tones gleichzeitig gespielt). Direktzugriff auf einige Tone-Parameter erhält man über die Analog Modify-Sektion links neben dem Display. Über die Regler C1 und C2 kann man 2 Parameter zeitgleich beeinflussen. Über einen Taster können die Parameterpaare umgeschaltet werden. Da gibt es Cutoff und Resonance sowie Attack und Release. Ein weiteres Parameterpaar steuert die Send-Volumes der Effekte Reverb und Chorus. Letztlich lassen sich noch die Lautstärkeverhältnisse zwischen Drums und der übrigen Begleitband sowie zwischen Begleitung und dem Keyboardpart einstellen. Die Preset-Tones können über das Edit-Menu in den Werten Volume, Portamento on/off, Portamento-Time, Cutoff, Resonance, Attack, Decay, Release, Vibrato Rate, Vibrato Depth und Vibrato Delay verändert und in einem der 128 User-Speicherplätze abgelegt werden. Das war’s. Ist ja schließlich kein Synthesizer. Und wie klingt die Kiste nun? Na ja, einige Sounds sind ganz gut spielbar. Als Beispiel hierfür soll EP Legend dienen.
Eine Reihe anderer Sounds sind kaum brauchbar, da sie zu steril klingen. Insgesamt würde ich die Sounds als hinreichend ansehen. In der Menge von 606 Tones ist sicher das eine oder andere Dutzend an Brauchbarem dabei. Ich habe es nicht gemessen, aber den Eindruck, dass das Gerät über den Kopfhörerausgang wie auch über die Anschlüsse R und L(mono) ein wenig stärker rauscht als meine Synthesizer. Ansonsten ist der Klang druckvoll und kristallklar. An dieser Stelle mache ich eine kleine Pause und hebe mir alle weiteren Fragen für den nächsten Teil auf. Bis dahin!
Schon seit geraumer Zeit (und insbesondere seit ich einen zweiten Wohnsitz habe) kam bei mir der Wunsch nach einem leicht transportierbaren Keyboard mit Begleitautomatik auf, mit dem ich an Akkordfolgen, Melodien und deren Zusammenspiel basteln könnte ohne gleich das ganze Heimstudio einschalten zu müssen. Viel Geld wollte ich dafür nicht gerade ausgeben. Trotzdem sollte die Klangqualität ansprechend sein und die Verwendung als weiterer Klangerzeuger im Heimstudio nicht in Frage stehen. Die verfügbaren Rhytmen/Styles sollten einigermaßen modern (auf Wiener Walzer könnt ich sogar glatt verzichten) und vielleicht “skalierbar” sein, d.h. wählbar zwischen sparsameren und opulenteren Begleitungen. Lieber keine Lautsprecher als so ein Tischhupen-Kompromiss. Nach den obigen Kriterien war zu vermuten, dass entweder ein Gebrauchtkauf durchaus in Betracht kommt oder gar mein Wunsch - insbesondere im Hinblick auf das Budget - unerfüllbar bleibt.
Zwei erfolglose Anläufe hatte ich dazu bereits vor einiger Zeit unternommen, als ich mich letzten Donnerstag zu einem erneuten solchen aufraffte. Da ich mich kenne, habe ich mir vorsichtshalber ein Budgetlimit von 300 Euro gesetzt. Vorbereitend hatte ich mich über die aktuelle Marktsituation bei Einsteigerkeyboards informiert, aber auch Gebrauchtmarktpreise älterer Top-Keyboards wie z.B. Technics KN-2000/5000/6000 studiert. Hilft aber alles nichts, wenn man es nicht anfassen und hören kann. Und so habe ich in meinem Musikladen eine gewisse Spannbreite untersucht. Mit dabei waren die Yamaha-Modelle PSR E313, E413, 450 und S550 und ein gebrauchtes Casio CTK-800. Ausserdem stand da noch ein gebrauchtes PSR 8000 herum. E313, E413 und CTK-800 habe ich dann wegen der Klangqualität für mich aussortiert. Damit hatte ich dann auch mein Budgetlimit verlassen, so dass alles weitere nur noch informativen Charakter haben konnte. Das S550 fand ich überzeugend aber zu teuer. Das PSR 450 war nicht sooo schlecht, preislich allerdings auch schon über dem Limit. Mit dem PSR 8000 bin ich eigentlich schnell warm geworden, obwohl die Sounds und Styles ein bisschen angestaubt wirkten - aber das hätte für mich funktioniert. Allerdings wollte ich den aufgerufenen Preis für ein 10 Jahre altes (elektronisches) Instrument auch nicht zahlen (Festplatte hin oder her) und der Händler konnte (oder wollte) da nichts heilen.
Eigentlich hatte ich mich ja auch auf den Roland GW-7 gefreut, weil die reine Produktbeschreibung interessant klang und das Teil bei diesem Händler auf der Internetseite gelistet war. Stand aber leider nicht mehr im Laden. “Ja, Internetseite müssten wir auch mal wieder aktualisieren…” Ahh so. Meine Schlussfolgerung aus diesem Besuch: Neukauf fällt aus, da ich mit der Klangqualität in dieser Preisklasse nicht leben möchte. Blieb alternativ nur noch der Gebrauchtkauf und so zog es mich tief in die “Bucht”… Mich ließ das Roland GW-7 nicht mehr los und es liefen gerade zwei Versteigerungen. Wenn man es nur mal irgendwo ausprobieren könnte… Ich fand dann auf der Roland-Seite noch zwei Demonstrations-Videos, die meinen bisherigen positiven Eindruck bestätigten. Und dann habe ich es gestern einfach getan. Preislimit um die Versandkosten reduziert, 10 Sekunden vor Toreschluss geboten und die Versteigerung gewonnen…
Na gut, jetzt muss das gute Stück nur noch bei mir ankommen. Da mein Preislimit noch nicht mal ausgereizt wurde sehe ich gute Chancen das Teil mit geringem (oder sogar ohne?) Verlust wieder loszuwerden, falls es meine Erwartungen doch nicht erfüllt. In jedem Fall möchte ich Euch meine Erfahrungen nicht vorenthalten und werde an dieser Stelle berichten. Hier noch kurz ein paar Daten zum GW-7:
- 61 anschlagdynamische Tasten
- 64 Stimmen Polyphonie
- Parts: 16 + Keyboard Part
- 32 MB (entsprechend 16-bit Linear-Format) Wellenform-Speicher
- Presets: 576 + 256 (GM2) Tones, 37 + 9 (GM2) Drum Sets, 101 Performances
- User-Speicher: 128 Sounds, 16 Drum Sets, 32 Performances
- Effekte: Multi-FX 47 Typen, Reverb 8 Typen, Chorus 8 Typen
- Begleit-Spuren: Tempo 20 bis 250 BPM, 16 Spuren
- 16-Spur Recorder Modi: 4 Easy Modi (ALL, Keyboard, Single, Punch In/Out)
- 101 Styles Preset-Speicher, 99 Styles User-Speicher
- 99 Songs
- Band-Typen: 3 Stufen (Drum & Bass, Combo, Full Band)
- USB Datenübertragung
- Regler: D Beam Controller, Pitch Bend/Modulation Lever, 2 Control-Regler
- Display: Custom LCD, beleuchtet
- Anschlüsse: Out (L/MONO, R), Kopfhörer, MIDI (IN, OUT), Hold Pedal, Control Pedal, USB
- Größe und Gewicht: Breite 1045 mm, Tiefe 320 mm, Höhe 86 mm, Gewicht 5,0 Kg