Nun, denn: Es war nicht gerade Liebe auf den ersten Blick, wie ich in And the winner is: Zoom H4 schon angedeutet hatte. Aber die Vernunft soll über das Gefühl triumphieren, wie es einem Manne in meinem Alter geziemt, oder? Also aus- und angepackt den Zoom H4 (wirst schon sehen, Gefühl).
Das erste, was man beim Auspacken und in die Hand nehmen von einem Gerät erfährt ist so ein subjektiver Eindruck von der Wertigkeit durch die Oberflächen, das Gewicht, die Passungen von Gehäuseteilen, die Erreichbarkeit und die Rückkopplung von Bedienelementen, usw. Irgendwie war das im Falle des H4 für mich bereits eine große Enttäuschung. In besonderem Maße hat dazu die Menu-Taste beigetragen, die auch als 4-Wege-Schaltwippe fungiert. So einen watteweichen Wackelschwanz hatte ich bisher noch nicht erlebt. Andere Knöpfe fand ich recht klein und fummelig. Die heute verarbeiteten Kunststoffe können sehr vielfältige Eigenschaften und Oberflächen haben – man braucht sich nur mal die im Innenraum von Automobilen (unterschiedlicher Klassen) eingesetzten Materialien ansehen. Das Gehäuse des H4 hinterlässt bei mir einen ausgesprochen billigen Eindruck. Die Größe und die Abmaße des Gerätes fand ich hingegen gelungen. Von mir aus muss so ein Handyrecorder nicht kleiner sein, auch wenn es wohl keine so großen Handys mehr gibt.
Also Batterien und die mitgelieferte SD-Karte rein und einschalten. Huch, ist das Display aber niedlich. Solange es beleuchtet wird, kann man es gut ablesen. Ohne Beleuchtung hingegen in den seltensten Fällen. Das Display ist aber auch wirklich arg klein geraten.
Beim Ausprobieren der Aufnahmefunktion mit den eingebauten Mikrofonen und dem Abhören bzw. Monitoring über Kopfhörer (AKG K271) fiel mir ein recht hoher Rauschpegel auf. Daran änderten auch verschiedene Modi (MP3, 44,1 und 96 kHz) nichts. Das Rauschen ließ sich aber durch gefühlvolles Einpegeln auf ein erträgliches Maß reduzieren. Der Klang war jetzt nicht unbedingt sehr natürlich – vielleicht ein bisschen Höhenarm – aber z.B. menschliche Stimmen wurden sehr klar und plastisch aufgezeichnet. Insgesamt geht die Audioqualität für mich in Ordnung.
Danach habe ich meine E-Gitarre angeschlossen und zunächst mit dem im H4 eingebauten Tuner gestimmt. Den Tuner kann ich wirklich nur als Dreingabe bezeichnen. Er ist mir für einen hauptamtlichen Tuner (denn genau dazu wollte ich den H4 u.a. nutzen) mit den 9 Segmenten zu ungenau. Von der umständlichen Umschaltung jeder einzelnen zu stimmenden Gitarrensaite mal ganz abgesehen.
Dann habe ich die verschiedenen Amp-Modelle des H4 für E-Gitarren ausprobiert. Ich kenne als Vergleich bisher nur den Korg Ampworks, aber der macht eindeutig mehr Spaß. Von den angebotenen Programmen des H4 hat mich keines vom Hocker gehauen.
Als nächstes habe ich mir die Verbindung mit dem Computer vorgenommen, wobei der H4 wahlweise als Laufwerk (SD-Kartenlesegerät) oder als Soundkarte angemeldet werden kann. Beide Modi haben sofort und ohne Mätzchen unter XP funktioniert (keine Treiberinstallation erforderlich), sehr schön. Zu den erreichbaren Minimal-Latenzen, die insbesondere für in Echtzeit gespielte Softwareinstrumente interessant sind, habe ich aber keine Versuche angestellt.
Bereits jetzt musste ich genervt konstatieren, dass das Bedienkonzept, welches einen häufigen Wechsel zwischen Menu-Knopf und Jog-Datenrad erfordert, für meinen Geschmack eine einzige Katastrophe darstellt. Das hat mir letztlich auch den Spaß an dem Gerät verdorben, so dass ich einen Außeneinsatz gar nicht erst in Angriff genommen habe. Ich habe es statt dessen wieder eingepackt und überlegt. Ist das mein Gerät, mit dem ich in den nächsten Jahren herumlaufen möchte? Nach Abwägung des Für und Wider habe ich mich für die Rückgabe des Gerätes entschieden. Natürlich verzichtete ich dann auch auf das Sezieren und somit gibt es keine Fotos von den Innereien (sorry, Ingo).
Was war nun eigentlich schiefgelaufen? Waren meine Erwartungen, insbesondere an ein Gerät zu diesem Preis, zu hoch angesetzt? Mag sein, ich weiß es nicht. Ich kann nur sagen, dass ich – wenn ich das Gerät in die Hand nehme – keine Freude empfinde. Manchmal passt es einfach nicht. Also noch mal ganz zurück zum Anfang…
Summa Summarum
Die Ausstattung des Zoom H4 (XLR/Klinke-Eingänge, 48V Phantomspeisung, wechselbare AA-Batterien/Akkus, Gitarren-PreAmp/Modeler, 4-Spur-Recorder, Audio-Interface, Tuner, Metronom, Lieferumfang) finde ich große Klasse, die Audio-Aufnahmequalität der eingebauten Mikrofone geht in Ordnung, das Display empfinde ich als Herausforderung, die qualitative Umsetzung einiger Funktionen finde ich unbefriedigend, die Anmutung wirkt für mich billig, die Bedienung ist eine Katastrophe, für mich ist es nicht das richtige Gerät.
Mit „mobile Recorder“ meine ich die (sich großer Beliebtheit erfreuenden) kompakten Geräte, die akustische Signale der Umgebung auf mindestens 2 Spuren (stereophon) mit eingebauten (oder ansteckbaren) Mikrofonen aufzeichnen können und die im Übrigen durch ihre Hersteller noch mit einer Vielzahl weiterer Funktionen ausgestattet werden. Als Beispiel dafür möchte ich den durch Ingo bereits untersuchten Zoom H2 nennen.
Gefördert durch Werbung, Berichte in Fachzeitschriften oder sonstige Erwähnungen habe nun auch ich meinen Bedarf erkannt, so ein Ding haben zu müssen. Bei der Auswahl des für mich richtigen Gerätes aus der erfreulichen Vielfalt des Marktes bin ich auf die Frage gestoßen, welche stereophonen Mikrofonverfahren die verschiedenen Hersteller bei ihren Geräten denn da eigentlich anwenden. Warum interessiert mich so etwas? Nun, zunächst einmal aus Neugier. Und weil ich vor kurzem ein entsprechendes Buch über Mikrofone gelesen habe und mein erworbenes Wissen anwenden wollte.
Danach gibt es verschiedene Verfahren zur Stereomikrofonierung (z.B. Intensitätsstereophonie, Laufzeitstereophonie, Äquivalenzstereophonie). Und sie finden in der Praxis Anwendung. Das lässt darauf schließen, dass keines der Verfahren ausschließlich Vorteile oder Nachteile mit sich bringt – sonst gäbe es nur „das“ Stereoverfahren schlechthin. Jemand, der sich damit auskennt (nein, nicht ich, gemeint ist z.B. ein Toningenieur), würde das Verfahren vermutlich in Abhängigkeit der aufzunehmenden Schallquelle und der Aufnahmesituation (insbesondere dem Raum) frei auswählen.
Diese Flexibilität kann von den eingebauten Mikrofonen der mobilen Recorder nicht erwartet werden – hier sind meist fest verbaute Lösungen vorzufinden (Ausnahmen bestätigen die Regel) mit denen der Nutzer dann klarkommen muss. Die Stereoaufnahmen nach den verschiedenen Verfahren haben unterschiedliche Charakteristiken oder Eigenschaften z.B. hinsichtlich Monokompatibilität, Raumeindruck und Abbildungsschärfe. Ich denke mal, dass einem das für einen netten Podcast herzlich egal sein kann.
Vielleicht sieht das aber anders aus, wenn die Aufnahme als Atmo oder in sonstiger Weise zusammen mit anderen Aufnahmen in eine (Musik-)Produktion einfließen soll. Was genau da die Herausforderung darstellen soll, kann ich (noch) nicht sagen. Nur mal so als Idee: der Panorama-Regler verändert das Verhältnis der Lautstärke (also den Pegel) im Stereo-Panorama – verändert jedoch nichts an der Phase. Nun, bis ich in dieser Frage für meine Erhellung gesorgt habe ist es allemal interessant zu wissen, nach welchem Stereoverfahren ein Mobilrecorder denn nun aufzeichnet.
Genau genommen fallen durch die kompakten Gehäuse schon mal alle Laufzeit- oder Phasenstereophonieverfahren weg, da der erforderliche Abstand von mindestens 17 cm (Klein-AB) nicht realisiert werden kann. Dennoch werden die Mikrofonanordnungen bei einigen Geräten (wenn nicht durch den Hersteller, dann ggf. auf Anbieterseiten) so benannt. Seltsam. Möglich wäre hingegen ohne weiteres Intensitäts- oder Pegelstereophonie in XY-Anordnung. Dabei sollen die Mikrofonmembranen eigentlich koinzident (d.h. unmittelbar übereinander) angeordnet sein, was ich bisher bei zutreffenden Modellen durch eher nebeneinander angeordnete Mikrofone aber nur halbherzig umgesetzt gesehen habe.
Bei anderen Geräten wiederum könnte wohl die Äquivalenzstereophonie und zwar nicht in ORTF-Anordnung (Mikrofonabstand 17,5 cm) sondern in Stereo-180°-Anordnung realisiert worden sein, z.B. mit einem Mikrofonabstand von 4,6 cm und einem Hauptachsenwinkel von 135° mit der Richtcharakteristik Hyperniere bei einem Aufnahmewinkel von 180°. Aber so genau ist das den Produktbeschreibungen nicht zu entnehmen. Auch in den Bedienungsanleitungen mancher Geräte steht nicht mehr darüber drin.
Waren die Überlegungen also umsonst? Zumindest mal kostenlos. Spätestens wenn man sich für den Einsatz externer Mikrofone entscheidet (hoffentlich nicht ausschließlich wegen der unbefriedigenden Qualität der eingebauten Mikrofone), die sich an jeden mobilen Recorder anschließen lassen sollten, macht die bewusste Anwendung eines bestimmten Stereomikrofonieverfahrens Sinn. Abschließend als kleiner Überblick und Anregung zu weitergehender Lektüre einige bereits oben erwähnte Verfahren:
Anordnung
XY
Klein-AB
Groß-AB
ORTF
Stereo-180°
-stereophonie
Intensitäts
Laufzeit
Laufzeit
Äquivalenz
Äquivalenz
Richtcharakteristik
2 gleiche Gradienten (z.B. Niere)
2 Kugeln oder gleiche Gradienten
2 Kugeln oder gleiche Gradienten
2 gleiche Gradienten (z.B. Niere)
2 gleiche Gradienten (z.B. Hyperniere)
Öffnungswinkel (typisch)
130°
parallel, wenn Gradient
parallel, wenn Gradient
110°
135°
Mikrofonabstand (typisch)
0 cm
mind. 17 cm
1 m und mehr
17,5 cm
4,6 cm
Monokompatibilität (typisch)
gut
eingeschränkt
schlecht
eingeschränkt
eingeschränkt
Raumeindruck (typisch)
eingeschränkt
gut
gut
gut
gut
Abbildungsschärfe (typisch)
gut
eingeschränkt
eingeschränkt
gut
gut
Beschreibung
Kanäle unterscheiden sich im Pegel, nicht in der Phase
Kanäle unterscheiden sich in der Phasenlage, nicht im Pegel
Kanäle unterscheiden sich in der Phasenlage, nicht im Pegel
Kanäle unterscheiden sich in Phase und Pegel
Kanäle unterscheiden sich in Phase und Pegel
Es gibt eine ganze Menge mehr Stereomikrofonieverfahren – dies ist nur eine (subjektive) Auswahl. Ich bin übrigens davon überzeugt, dass die geeignete Positionierung des Mikrofons im Raum einen größeren Einfluss auf das Gelingen einer Aufnahme hat, als die Entscheidung für oder gegen ein konkretes Stereomikrofonieverfahren. Letzten Endes bleibt zu erwähnen, dass für Musik das menschliche Ohr das beste Messinstrument ist – nicht das Lineal.
Ich hatte in „Let’s Sing“ schon einmal angedeutet, das ich einige musikalische Ideen gesammelt habe und auch damit gedroht, davon weitere auf Akkordwechsel vorzustellen. Nun denn, hier ist wieder eine…
„After The Chill“ ist ganz ähnlich wie „Let’s Sing“ bei der Aufarbeitung meiner musikalischen Vergangenheit entstanden. Während der Schulzeit habe ich in einem Jugendblasorchester Klarinette (I in B) gespielt. Das Instrument gehörte mir nicht selbst, ich habe es nach den 10 Jahren im Orchester wieder abgeben müssen und seit dem auch keine Klarinette mehr in der Hand gehabt. Ohnehin hätte ich schon damals lieber Saxophon gespielt. Da die Instrumente von der Tonerzeugung und auch grifftechnisch verwandt sind, habe ich mir vor einiger Zeit nun den Wunsch erfüllt ein eigenes Saxophon spielen zu können. Nun, zumindest mal eines zu besitzen, denn nach mehr als 20 Jahren fehlte neben dem Ansatz auch grifftechnisch sehr viel. Also heißt es auch beim Saxophon: Üben. Dabei ist eben „After The Chill“ entstanden. Mir ist bewusst, das ich damit auch meinen dringenden Übungsbedarf dokumentiert habe – sei es drum. Das Stück ist in 100 BPM angelegt und fährt auch insgesamt einen sehr ruhigen Puls. Es beginnt mit einem durch das Saxophon gespielten Auftakt zu einem 4-taktigen Intro, welches aus den letzten vier Akkorden des eigentlichen Motivs besteht. Im ersten Takt des Intros wird der Chor, der aus einem Yamaha EX5R stammt (A13: Aah Choir), per Volume-Automation eingeblendet und spielt dann bis zum Ende die Akkorde mit. Im dritten Takt des Intros wird die Drumloop eingeblendet. Nach dem Intro folgt die erste 8-taktige Strophe, in der das E-Piano (EXS24, Mark II) einsteigt und durch die nun vollständige Begleitung die Akkordfolge (C – G/B – Am – Am/G – F – C/E – Dm7 – F6/G) vorgestellt wird. Eine separate Bassspur gibt es nicht – die wird vom E-Piano mit übernommen. Ab der zweiten Strophe kommt das Saxophon dazu und diese Strophe wird wiederholt. Abschließend folgt das 8-taktige Ending. Das Saxophon endet im ersten Takt relativ abrupt, was durchaus beabsichtigt ist um den Raum für den Schlusspunkt zu schaffen. Der besteht aus der aus dem Intro bekannten Saxophon-Linie, die ich aber in der Wiederholung auf eine separate, mit einem Delay versorgten Spur gelegt habe. Um dieses zur Wirkung kommen zu lassen wird im vierten und fünften Takt des Endings die Drumloop ausgefadet. E-Piano und Chor klingen aus und Ende Gelände… Das Saxophon (B&S Altsaxophon) wurde mit einem Sennheiser e865S aufgenommen, ist leicht komprimiert (3,8:1) und noch mit einem EQ bearbeitet (siehe Abbildung). Zusätzlich ist ein Reverb und ein wenig Flanger drauf. Das E-Piano hat auch ein wenig Reverb bekommen, der Chor ging mit den Preset-Einstellungen des EX5R auf’s „Band“ (hat für mich so gepasst). Und hier nun zum Anhören:
Die Freiheit, mit einem Rechner und geeigneter Software Musik erstellen zu können, führt nicht zwangsläufig zu einem Hit oder kommerziellem Erfolg. Muss es auch gar nicht, wenn der Spaß im Vordergrund steht. Während ein gut komponierter und produzierter Titel unter Umständen viel Zeit und Mühe kostet (abhängig von Fähigkeiten, Talent und der Küsslust der Muse), sehe ich persönlich schon in der Umsetzung musikalischer Ideen eine sinnvolle, weil Freude bereitende Freizeitbeschäftigung. Aus meiner diesbezüglichen Ansammlung möchte ich hin und wieder etwas vorstellen und beschreiben, was ich da gemacht habe.
„Let’s Sing“ ist bei dem Versuch entstanden, nach langen Jahren der Enthaltsamkeit wieder mit dem Gitarre spielen anzufangen. Vielleicht haben einige von euch schon die Erfahrung gemacht, dass das „vor sich hin üben“ die eine Sache ist und das Spielen nach Metronom eine andere. Also brauchte ich einen Rhythmus. Hier habe ich einfach eine Drumloop aus einer Library genommen, von denen es massenhaft für kleines Geld zu kaufen gibt. Eigentlich sind diese Loops meist ziemlich dicht und knallig – ich habe die Sache mit einem Kompressor (2,4:1) noch etwas kompakter gemacht.
Die Drumloop wird am Anfang reingefaded. Das Fundament (also der Bass) stammt aus dem Software-Sampler EXS24 (SlapBass2), der nur unter Emagic Logic funktioniert. Der Bass brauchte mehr Druck um im Arrangement zu bestehen (Kompressor 6:1).
Jetzt fehlte mir noch eine Begleitung. Und da ich das Gitarrespielen üben wollte, ist hier die Konzertgitarre zum Einsatz gekommen. Die habe ich mit einem AKG-Mikrofon (C3000B) aufgenommen und die Passagen sauber geschnitten. Im Hintergrund hört man übrigens noch die Drumloop, die über den Kopfhörer (nicht geschlossen) mit aufgenommen wurde. Stört aber im Mix zusammen mit der richtigen Drumloop nicht mehr. Danach habe ich die Mono-Aufnahme gedoppelt und auf links/rechts Stereoposition verteilt sowie eine Seite mit einem leichten Delay verzögert. Mit einem Kompressor (6:1) wurde die Dynamik angepasst. Ein bisschen Reverb und Chorus drauf – fertig.
Jetzt konnte ich mit der E-Gitarre (Ibanez Blazer 21) über einen Amp-Modeler (Korg Ampworks) nach Herzenzlust „rumsolieren“.
Das Stückchen hat keinen B- oder gar C-Teil, die Akkordfolge (A – C#m – C#Dim – D – F#m – F#Dim) wird einfach ständig wiederholt. Hier nun im Ganzen: