Im Wechsel der Akkorde
Stichwort: Improvisation

Go Your Way

SopransaxophonHeute gibt es mal wieder - in der (fast schon) Tradition von After The Chill und Let’s Sing - ein Stückchen Musik von mir. Ich habe es “Go Your Way” genannt und die Idee entstand im Jahr 2007. Ich hatte es seinerzeit schon einmal mit dem Sopransaxophon eingespielt. Jetzt habe ich den Song wieder in Logic geladen, um mit dem Altsaxophon im Sinne der Motivationsquelle Improvisation dazu üben zu können. Weil ich geistig träge bin und nicht transponieren wollte (und konnte), habe ich auch die Tonart (Sopran Bb -> Alt Eb) entsprechend verschoben. Das ist natürlich besonders einfach, wenn man MIDI-Spuren (statt Audio) nutzt. Na ja, und wenn man einmal dabei ist, ist hier und da noch etwas an der Instrumentierung und am Arrangement zu ändern … Letztlich habe ich es dann noch einmal neu mit dem Altsaxophon eingespielt und abgemischt. Als Reverb für das Sax habe ich natürlich mein Lexicon MPX-1 genutzt (Programm PCM Sax Hangar, siehe auch hier). Der Bass ist vom Roland JV1080, das Pad vom Emagic EXS24 und das Rhodes-Piano kommt vom Yamaha EX5R. Die Drumloop ist aus einer alten Library. Letztlich sind es wieder acht Takte, die sich ein paar mal wiederholen. Und dieses Stück gibt es nun hier zu hören:
go_your_way_cleanup

Na gut, zum Vergleich gibt es auch den alten Mix mit Sopransaxophon zu hören:
go_your_way_sopran

Und ja, man darf das alte Stück besser finden, wenn man will. Mir gefällt allerdings eher das neue. Ausserdem habe ich das Sopransaxophon jetzt verkauft (… in memorial …). Aus die Maus.

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Improvisation als Motivationsquelle

Sicher muss ich mir eingestehen, dass ich mit dem Saxophonspiel nicht so gut vorankomme wie ich mir vorgestellt hatte. Objektiv betrachtet bleibt einfach nicht genug Zeit um allen meinen Interessen in ausreichender Tiefe nachzugehen. Ich bin allerdings auch nicht bereit dem Saxophon eine Priorität zu Lasten anderer Dinge einzuräumen. Von dem für das Saxophon verbleibenden Zeitschlitz erwarte ich mir dennoch die Befriedigung von Bedürfnissen, die da wären: Freude, Bestätigung, Erfolgserlebnisse. Dieser Zustand stellt sich jetzt nicht unbedingt bei Tonleiterübungen ein. Und irgendwie auch nicht so richtig beim Durcharbeiten einer Schule - sei sie nun von Dapper oder Müller-Irion.
Viel mehr Spaß macht es mir zu improvisieren. Also ich nenne das einfach mal so. Denn Improvisation bedeutet doch, etwas ohne Vorbereitung, aus dem Stegreif zu spielen, nicht wahr? Wikipedia sagt: “Als Improvisation wird die Form musikalischer Darbietung verstanden, in der das ausgeführte Tonmaterial in der Ausführung selbst entsteht und nicht vorher schriftlich fixiert worden ist.” Als Rahmen für eine derartige “Darbietung” nehme ich gern eine einfache Akkordfolge und einen Rhytmus her. Das ist im Sequencer schnell zusammengeklickt und läuft dann als Schleife auf unendlich. Um es wirklich ganz einfach zu machen, habe ich die Harmonien für das Altsaxophon (Eb) sogar in C-Dur (Grundtonart) gestellt. Das Saxophon nehme ich mit einem Mikrofon ab (gern mit dem Sennheiser e865) und mische es über einen Live-Eingang im Sequencer mit dem Backing. Dann bekommt das Saxophon noch ein bisschen Reverb zum Wohlfühlen. Die Mischung gelangt per Kopfhörer an die Ohren.
Ausschließlich zur Verdeutlichung worum es mir geht nachfolgend ein Beispiel, denn aufgezeichnet wird normalerweise nicht. Zunächst das Backing, also das harmonische und rhytmische Gerüst:
meine Improvisationsbegleitung
Und nun mit improvisiertem Saxophonspiel:
mein Improvisationsbeispiel
Also, mal völlig unabhängig davon, wie es von einem Zuhörer empfunden werden würde - als Akteur am Saxophon ist es toll. Da habe ich schnell mal eine halbe Stunde durchgespielt bis der Ansatz weg ist und fühle mich richtig gut. Hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht?

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KEITH JARRETT – THE KÖLN CONCERT

KEITH JARRETT - THE KÖLN CONCERTWerde ich nach meiner Lieblingsmusik oder –platte gefragt, weiß ich regelmäßig keine Antwort. Zu viele Namen und Produktionen gehen mir dann durch den Kopf, als das ich eine herausgreifen und diese nennen könnte. Und letztlich: warum sich beschränken? Nun, heute möchte ich mal eine Aufnahme vorstellen, die mich seit vielen Jahren fasziniert und die ich noch immer (schätzungsweise) zwei Mal im Jahr höre. Ich meine damit Keith Jarretts Solo-Konzert in der Oper Köln – THE KÖLN CONCERT – am 24. Januar 1975. Nacherlebbar für diejenigen, die nicht dabei waren (so wie ich), wird dies durch eine Produktion von Manfred Eicher auf ECM (ECM 1064/65, 810 067-2; aus den sparsamen Angaben der CD geht nicht einmal hervor, welchen Flügel Herr Jarrett dort bearbeitet). Zum ersten Mal habe ich diese Scheibe 1991 bei einem Musikalienhändler, wo ich als Student ein paar Mal ausgeholfen habe, gehört und sie hat mich sofort interessiert. Noch nie vorher hatte ich so etwas gehört und ich konnte die Musik überhaupt nicht einordnen. Aber es hat mich absolut fasziniert und ich musste die Scheibe unbedingt haben. Diese Musik wird dem Jazz zugeordnet, allerdings sah mein Bild vom Jazz vorher anders aus. In den freien, von Rhythmus und Tonart losgelösten Improvisationen verarbeitet Keith Jarrett verschiedene Elemente und Stile die auf mich unbefangen, frisch, leidenschaftlich, emotional, spielerisch und doch natürlich wirken. Andere Solo-Konzerte wie das PARIS CONCERT (17. Oktober 1988, Salle Pleyel) oder das VIENNA CONCERT (13. Juli 1991, Staatsoper Wien) mag ich auch sehr gern, aber das Konzert in Köln sticht für mich deutlich hervor. Andernorts wird dieses Konzert auch als Meilenstein im Jazz oder als epochales Meisterwerk bezeichnet. Übrigens sind mir kurze Passagen aus diesem Konzert schon oft zur musikalischen Untermalung von Beiträgen im Fernsehen aufgefallen, vorzugsweise für ernsthaftere Themen. Und tatsächlich hat die Aufnahme ein bisschen was von Filmmusik. Keith Jarrett ist auch heute (62-jährig) noch mit Konzerten unterwegs. Wie man allerdings letzthin vernahm (10. Juli 2007, Umbria Jazz Festival in der italienischen Stadt Perugia), sollen seine menschlichen Qualitäten nicht so ausgeprägt sein wie die musikalischen. Was soll’s, niemand ist perfekt. Hauptsache er macht seine Musik. In die aktuell erschienene Video-DVD „KEITH JARRETT - The Art Of Improvisation“ werde ich auf jeden Fall auch mal reinschauen.

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