Im Wechsel der Akkorde
Stichwort: E-Gitarre

Charlielab Digitar

Die Digitar von Charlielab habe ich seit 1995, kurz nach der Musikmesse. Charlielab DigitarEs gab damals von TSI (dem deutschen Vertrieb) eine Sonderaktion auf der Frankfurter Musikmesse, bei der man einen nennenswerten Betrag gegenüber der unempfindlichen Preisempfehlung von 790,- DM sparen konnte. Die Digitar ist ein MIDI-Controller, d.h. alles was sie macht ist MIDI-Daten erzeugen oder verändern. Seinerzeit war ich (schon mal) auf dem MIDI-Controller-Trip. Ich war davon überzeugt, dass man mit elektronischen Tonerzeugern lebendige und dynamische Musik fabrizieren kann, solange man nur die richtigen Spielhilfen zur Verfügung hat. Der Ansatz von Charlielab war, dass man auf einem Keyboard nicht gut Gitarre spielen kann. Oh, natürlich kann man einen Gitarrensound auf dem Synthesizer anwählen und über die Tastatur entsprechende Töne erzeugen. Trotzdem hört sich das noch nicht wirklich nach Gitarre an. Das liegt zum Einen am Voicing. Mit den sechs Saiten einer Gitarre sind diese, auch wenn sie in verschiedenen Lagen gespielt werden, charakteristisch. Davon weiß ein Keyboarder im Normalfall nicht viel. Zum Anderen sind die Anschlagtechniken der Gitarre (auf- und abwärts geschlagene Akkorde, Picking, usw.) nur schwer auf dem Keyboard nachzuempfinden.

Mit der Digitar sollen (kurz gesagt) per MIDI-IN zugeführte Akkorde zu einem gitarrentypischen Voicing und durch die Bearbeitung der (den Gitarrensaiten nachempfundenen) Metallstäbchen zu gitarrentypischen Anschlagtechniken gewandelt und auf MIDI-OUT ausgegeben werden. Wozu das Ganze? Wenn man Gitarre braucht, würde der Gitarrist einfach seine Gitarre nehmen. Es gibt aber Situationen wo es wünschenswert ist, den Output nicht (gleich) als Audio zu bekommen sondern statt dessen als MIDI-Daten. Sicher ist das bei der Erstellung eines MIDI-Songs mit Gitarrenspur als Zielformat (der als solcher zum Beispiel anderen Nutzern zugänglich gemacht werden soll) so. Auch die Suche nach neuen Klangmöglichkeiten kann Motivation dafür sein, sich die Welt der Synthesizer über MIDI zu erschließen. Wenn aber ein Gitarrist MIDI-Daten braucht, nimmt er eine Gitarre und ein Guitar-to-MIDI-Interface (wie z.B.: Axon AX 50 oder Roland GI-20), wahrscheinlich eher keine Digitar. Die angepeilte Anwendergruppe der Digitar waren sicher die Tastenspieler. Sie erhalten damit eine Möglichkeit ihre Spieltechnik in Richtung Gitarre zu erweitern. Das ganze funktioniert sowohl live (indem man zum Beispiel auf einer Tastatur mit der linken Hand Akkorde greift die per MIDI an die Digitar geschickt werden um dort mit der rechten Hand „zerhackt“ zu werden - dazu kann man sich die Digitar um den Bauch schnallen) als auch über einen Sequenzer (die MIDI-Akkordspur wird an die Digitar geschickt und das bearbeitete Ergebnis wird auf einer anderen MIDI-Spur aufgezeichnet).

Mit der Digitar wurde m.E. ein durchdachtes Konzept überzeugend umgesetzt. Die Reaktionsgeschwindigkeit ist für „Echtzeitspiel“ geeignet. So ganz ernst kann man die Digitar jedoch als echten Gitarrenersatz nicht nehmen. Sie liegt irgendwo zwischen den Welten. Es ist auf jeden Fall mal etwas anderes, bringt Abwechselung und macht außerdem noch Spaß. Um mal einen Eindruck von der Digitar zu vermitteln habe ich ein bisschen darauf rumgeschrammelt, dazu ein paar (eingebaute) Demoakkorde genutzt und verschiedene Presetsounds damit angesteuert:

Demo Digitar Sound Yamaha EX5R EX Guitar Yamaha EX5R EX Guitar
Demo Digitar Sound Yamaha EX5R Comp Strat Yamaha EX5R Comp Strat
Demo Digitar Sound Yamaha EX5R Strat 4-Way Yamaha EX5R Strat 4-Way

Natürlich müssen es nicht immer Gitarrenimitate sein. Hier ein paar andere Beispiele:

Demo Digitar Sound Yamaha EX5R Funk DX Yamaha EX5R Funk DX
Demo Digitar Sound Yamaha EX5R RandyRoads Yamaha EX5R RandyRoads
Demo Digitar Sound Roland JV1080 AfroPerc Roland JV1080 (World Exp. Board) AfroPerc

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und Tschüss, Zoom H4!

Nun, denn: Es war nicht gerade Liebe auf den ersten Blick, wie ich in And the winner is: Zoom H4 schon angedeutet hatte. Aber die Vernunft soll über das Gefühl triumphieren, wie es einem Manne in meinem Alter geziemt, oder? Also aus- und angepackt den Zoom H4 (wirst schon sehen, Gefühl).

Das erste, was man beim Auspacken und in die Hand nehmen von einem Gerät erfährt ist so ein subjektiver Eindruck von der Wertigkeit durch die Oberflächen, das Gewicht, die Passungen von Gehäuseteilen, die Erreichbarkeit und die Rückkopplung von Bedienelementen, usw. Irgendwie war das im Falle des H4 für mich bereits eine große Enttäuschung. In besonderem Maße hat dazu die Menu-Taste beigetragen, die auch als 4-Wege-Schaltwippe fungiert. So einen watteweichen Wackelschwanz hatte ich bisher noch nicht erlebt. Andere Knöpfe fand ich recht klein und fummelig. Die heute verarbeiteten Kunststoffe können sehr vielfältige Eigenschaften und Oberflächen haben – man braucht sich nur mal die im Innenraum von Automobilen (unterschiedlicher Klassen) eingesetzten Materialien ansehen. Das Gehäuse des H4 hinterlässt bei mir einen ausgesprochen billigen Eindruck. Die Größe und die Abmaße des Gerätes fand ich hingegen gelungen. Von mir aus muss so ein Handyrecorder nicht kleiner sein, auch wenn es wohl keine so großen Handys mehr gibt.

Also Batterien und die mitgelieferte SD-Karte rein und einschalten. Huch, ist das Display aber niedlich. Solange es beleuchtet wird, kann man es gut ablesen. Ohne Beleuchtung hingegen in den seltensten Fällen. Das Display ist aber auch wirklich arg klein geraten.
Beim Ausprobieren der Aufnahmefunktion mit den eingebauten Mikrofonen und dem Abhören bzw. Monitoring über Kopfhörer (AKG K271) fiel mir ein recht hoher Rauschpegel auf. Daran änderten auch verschiedene Modi (MP3, 44,1 und 96 kHz) nichts. Das Rauschen ließ sich aber durch gefühlvolles Einpegeln auf ein erträgliches Maß reduzieren. Der Klang war jetzt nicht unbedingt sehr natürlich – vielleicht ein bisschen Höhenarm – aber z.B. menschliche Stimmen wurden sehr klar und plastisch aufgezeichnet. Insgesamt geht die Audioqualität für mich in Ordnung.

Danach habe ich meine E-Gitarre angeschlossen und zunächst mit dem im H4 eingebauten Tuner gestimmt. Den Tuner kann ich wirklich nur als Dreingabe bezeichnen. Er ist mir für einen hauptamtlichen Tuner (denn genau dazu wollte ich den H4 u.a. nutzen) mit den 9 Segmenten zu ungenau. Von der umständlichen Umschaltung jeder einzelnen zu stimmenden Gitarrensaite mal ganz abgesehen.
Dann habe ich die verschiedenen Amp-Modelle des H4 für E-Gitarren ausprobiert. Ich kenne als Vergleich bisher nur den Korg Ampworks, aber der macht eindeutig mehr Spaß. Von den angebotenen Programmen des H4 hat mich keines vom Hocker gehauen.

Als nächstes habe ich mir die Verbindung mit dem Computer vorgenommen, wobei der H4 wahlweise als Laufwerk (SD-Kartenlesegerät) oder als Soundkarte angemeldet werden kann. Beide Modi haben sofort und ohne Mätzchen unter XP funktioniert (keine Treiberinstallation erforderlich), sehr schön. Zu den erreichbaren Minimal-Latenzen, die insbesondere für in Echtzeit gespielte Softwareinstrumente interessant sind, habe ich aber keine Versuche angestellt.

Bereits jetzt musste ich genervt konstatieren, dass das Bedienkonzept, welches einen häufigen Wechsel zwischen Menu-Knopf und Jog-Datenrad erfordert, für meinen Geschmack eine einzige Katastrophe darstellt. Das hat mir letztlich auch den Spaß an dem Gerät verdorben, so dass ich einen Außeneinsatz gar nicht erst in Angriff genommen habe. Ich habe es statt dessen wieder eingepackt und überlegt. Ist das mein Gerät, mit dem ich in den nächsten Jahren herumlaufen möchte? Nach Abwägung des Für und Wider habe ich mich für die Rückgabe des Gerätes entschieden. Natürlich verzichtete ich dann auch auf das Sezieren und somit gibt es keine Fotos von den Innereien (sorry, Ingo).

Was war nun eigentlich schiefgelaufen? Waren meine Erwartungen, insbesondere an ein Gerät zu diesem Preis, zu hoch angesetzt? Mag sein, ich weiß es nicht. Ich kann nur sagen, dass ich – wenn ich das Gerät in die Hand nehme – keine Freude empfinde. Manchmal passt es einfach nicht. Also noch mal ganz zurück zum Anfang…

Summa Summarum

Die Ausstattung des Zoom H4 (XLR/Klinke-Eingänge, 48V Phantomspeisung, wechselbare AA-Batterien/Akkus, Gitarren-PreAmp/Modeler, 4-Spur-Recorder, Audio-Interface, Tuner, Metronom, Lieferumfang) finde ich große Klasse, die Audio-Aufnahmequalität der eingebauten Mikrofone geht in Ordnung, das Display empfinde ich als Herausforderung, die qualitative Umsetzung einiger Funktionen finde ich unbefriedigend, die Anmutung wirkt für mich billig, die Bedienung ist eine Katastrophe, für mich ist es nicht das richtige Gerät.

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Let’s Sing


Die Freiheit, mit einem Rechner und geeigneter Software Musik erstellen zu können, führt nicht zwangsläufig zu einem Hit oder kommerziellem Erfolg. Muss es auch gar nicht, wenn der Spaß im Vordergrund steht. Während ein gut komponierter und produzierter Titel unter Umständen viel Zeit und Mühe kostet (abhängig von Fähigkeiten, Talent und der Küsslust der Muse), sehe ich persönlich schon in der Umsetzung musikalischer Ideen eine sinnvolle, weil Freude bereitende Freizeitbeschäftigung. Aus meiner diesbezüglichen Ansammlung möchte ich hin und wieder etwas vorstellen und beschreiben, was ich da gemacht habe.
„Let’s Sing“ ist bei dem Versuch entstanden, nach langen Jahren der Enthaltsamkeit wieder mit dem Gitarre spielen anzufangen. Vielleicht haben einige von euch schon die Erfahrung gemacht, dass das „vor sich hin üben“ die eine Sache ist und das Spielen nach Metronom eine andere. Also brauchte ich einen Rhythmus. Hier habe ich einfach eine Drumloop aus einer Library genommen, von denen es massenhaft für kleines Geld zu kaufen gibt. Eigentlich sind diese Loops meist ziemlich dicht und knallig – ich habe die Sache mit einem Kompressor (2,4:1) noch etwas kompakter gemacht.
Drumloop - Let's Sing - pommerizer
Die Drumloop wird am Anfang reingefaded. Das Fundament (also der Bass) stammt aus dem Software-Sampler EXS24 (SlapBass2), der nur unter Emagic Logic funktioniert. Der Bass brauchte mehr Druck um im Arrangement zu bestehen (Kompressor 6:1).
Bass - Let's Sing - pommerizer
Jetzt fehlte mir noch eine Begleitung. Und da ich das Gitarrespielen üben wollte, ist hier die Konzertgitarre zum Einsatz gekommen. Die habe ich mit einem AKG-Mikrofon (C3000B) aufgenommen und die Passagen sauber geschnitten. Im Hintergrund hört man übrigens noch die Drumloop, die über den Kopfhörer (nicht geschlossen) mit aufgenommen wurde. Stört aber im Mix zusammen mit der richtigen Drumloop nicht mehr. Danach habe ich die Mono-Aufnahme gedoppelt und auf links/rechts Stereoposition verteilt sowie eine Seite mit einem leichten Delay verzögert. Mit einem Kompressor (6:1) wurde die Dynamik angepasst. Ein bisschen Reverb und Chorus drauf – fertig.
Begleitung - Let's Sing - pommerizer
Jetzt konnte ich mit der E-Gitarre (Ibanez Blazer 21) über einen Amp-Modeler (Korg Ampworks) nach Herzenzlust „rumsolieren“.
Drumloop - Let's Sing - pommerizer
Das Stückchen hat keinen B- oder gar C-Teil, die Akkordfolge (A – C#m – C#Dim – D – F#m – F#Dim) wird einfach ständig wiederholt. Hier nun im Ganzen:
Let's Sing - pommerizer

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