In der Ausgabe 9/2009 (vom 14.04.2009) der Zeitschrift C’t (des Heise Zeitschriften Verlags) gibt es auf Seite 64 einen Artikel über den Zoom H4n in der Rubrik “kurz vorgestellt” von Christoph Laue und/oder Dr. Volker Zota. Das scheint die erste Veröffentlichung in Printmedien zu sein, in der man etwas mehr über den Zoom H4n lesen kann als den (schnell kopierbaren) Werbetext.
Unter anderem wird von echter XY-Konfiguration der Mikrofonkapseln, überzeugenden Klangergebnissen bei Sprachverständlichkeit und Ortbarkeit, den vermessenen Dynamikumfängen sowie Effekten berichtet, die beim Festhalten von Ideen hilfreich sind, aber für ernsthafte Produktionen kaum Verwendung finden dürften. Soweit einverstanden.
Ein Fragezeichen blinkte dann allerdings bei der Aussage “Bei Überschreiten der 2-GByte-Grenze bricht die Aufnahme ab.” bei mir auf. Nein, kann ich nicht bestätigen. Ich habe es gerade noch einmal (zusätzlich) in der Einstellung 96 kHz und 24 bit ausprobiert. Bei mir geht die Aufnahme auch nach 2 GB weiter. Die Datei wird bei einer Größe von 2047,0 MB (was bei 96 kHz und 24 bit einer Aufnahmezeit von einer Stunde, zwei Minuten und sechs Sekunden entspricht) abgeschlossen und die Aufnahme in einer neuen Datei fortgesetzt, wie ich auch schon unter Zoom H4n - Stamina Mode geschrieben hatte. Nach meinen Erkenntnissen passt das Ende der Vorgängerdatei mit dem Anfang der Nachfolgerdatei perfekt zusammen, so dass wahrscheinlich kein einziges Bit verloren geht. Vielleicht ist es noch hilfreich zu erwähnen, dass die Zeitanzeige im Display während der Aufnahme mit dem Umschalten auf die neue Datei wieder bei 00:00:00:000 beginnt.
Dem Fazit stimme ich wieder zu, wonach der Zoom H4n mit fast allen Schwächen des Vorgängers aufräumt: “Im Auftritt deutlich wertiger bietet er bei leicht durchschaubarer Bedienung eine Vielzahl sinnvoller Ausstattungsmerkmale und eine für die meisten Aufgaben ausreichende Klangqualität.”.
Ganz neu (zumindest gegenüber dem Zoom H4) ist der Vierkanalmodus (4CH), mit dem man vier Spuren simultan aufnehmen kann. Im Display stellt sich das durch die untereinander angeordnete, horizontale Anzeige der vier Aufnahme- bzw. Wiedergabepegel dar. Da es nur vier Eingänge am Zoom H4n gibt (interne Mikrofone bzw. Stereo-PlugIn-Mikrofon und Eingänge 1 + 2) gibt es an Aufnahmequellen nichts auszuwählen - alle vier sind aktiv. Der Druck auf einen der Input-Taster (MIC, 1, 2) wählt den entsprechenden Eingang für die Justierung des Aufnahmepegels aus. Der Versuch, den Aufnahmepegel mittels der +/- Tastenwippe REC-LEVEL ohne vorherige Auswahl des Eingangs einzustellen, wird mit der Meldung “REC LEVEL TARGET MIC->MIC INPUT->INPUT 1″ quittiert. Für die Eingänge INPUT 1 und 2 wird der Aufnahmepegel gemeinsam eingestellt - sie sind nicht separat regelbar. Das finde ich schon schade, da somit ordentlich eingepegelte Aufnahmen von zwei (unterschiedlichen) Monosignalen (z.B. DI-Signale von Gitarre und Bass) erschwert werden. Aufgezeichnet werden zwei Stereo-WAV-Dateien, die immer als Pärchen behandelt werden und deren Dateinamen mit 4CHxxxM.WAV (für das MIC-Signal) und 4CHxxxI.WAV (für das INPUT-Signal) fest vorgegeben und nicht änderbar sind (xxx steht für die laufende Nummer, die in jedem FOLDER neu vergeben wird). Anders als im Handbuch angedeutet (ich empfinde übrigens einige Handbuchseiten mehr als Andeutung denn als eindeutige Information) ist kein Mono-Mix einer oder beider Stereospuren verfügbar. Im Display wird das Datei-Pärchen mit 4CHxxxM/I.WAV angezeigt. Genau genommen müsste dieser Mode also 2ST (etwa Doppel-Stereo) heißen.
Als Aufnahmeformat steht nur WAV mit 44,1 kHz (16 oder 24 bit) oder 48 kHz (16 oder 24 bit) zur Verfügung. Die Aufnahmedateien werden im 4CH Mode auf der SD-Card unter dem Ordner 4CH in einem der bereits vom STEREO Mode her bekannten und standardmäßig angelegten FOLDER 01 bis 10 gespeichert. Die Folder können auch hier über die Folder-Taste (innerhalb des Ordners 4CH) gewechselt werden. Die FILE-Taste öffnet das File-Menu und bietet bereits vorhandene Dateipärchen zur Auswahl; angezeigte Informationen beziehen sich immer auf beide Aufnahmedateien. Die WAV-Dateien können (nur als Paar zusammen) normalisiert werden, wobei dann doch jede Datei für sich behandelt wird. Die Dateien können in einen anderen Folder verschoben (innerhalb des 4CH-Ordners, in den STEREO-Ordner oder in ein MTR-Projekt) oder gelöscht werden - immer als Pärchen, versteht sich. Außerdem können sie zu einer Stereo-Datei zusammengerechnet und in einer eigenen Datei (Vorgabe 4CHxxxMIX.WAV) abgespeichert werden. Dies kann mit oder ohne Berücksichtigung der Mixer-Einstellungen erfolgen. Der Mixer ist eine Funktion im 4CH Mode, um die Pegel und die Panoramapositionen der Stereotracks bei der Wiedergabe zu regeln und aufeinander abzustimmen.
Die Verwendung von Markern ist hier analog zum Stereo Mode möglich, nur dass die Marker immer in beide WAV-Dateien geschrieben werden. Die Wiedergabe der Vierspuraufnahme in variabler Geschwindigkeit ist im 4CH Mode nicht möglich (SPEED-Taster hat keine Funktion). Die Effektsektion kümmert sich (genau wie im Stereo Mode) um (wahlweise zuschaltbare) Low Cut’s und Kompressoren bzw. Limiter. Die Mehrzahl ist in diesem Fall richtig, denn jede der zwei Stereospuren kann ihren eigenen (unterschiedlichen) Low Cut und/oder Kompressor bzw. Limiter haben. Dafür kann die M/S-Matrix nur für MIC (macht natürlich nur bei entsprechender Mikrofonanordnung des Stereo-PlugIn-Mikrofons Sinn) oder INPUT aktiviert werden. Als Speisespannungen stehen Phantom-Power (+24V oder +48V) für die INPUTs sowie PlugIn-Power für ein externes Stereo-PlugIn-Mikrofon zur Verfügung. Die Funktionen AUTO REC und PRE REC stehen zur Verfügung, jedoch nicht gleichzeitig. Als Werkzeuge stehen Tuner, Metronom und A-B-REPEAT bereit. Vom 4CH Mode aus kann (ebenso wie im Stereo Mode) eine USB-Verbindung (Laufwerk oder Audiointerface) zu einem Rechner etabliert oder in einen anderen Mode (STEREO, MTR) gewechselt werden.
Ich habe mal einen etwas praxisfernen Versuchsaufbau mit meinem (ebenfalls) neuen Rode NT5 Stereoset als externen Mikrofonen (über INPUT 1 und 2) realisiert, um möglichst identische Signale aufzunehmen. Mein Ziel war es, eine Aussage zu der Qualität der internen Mikrofone im Vergleich zu den NT5 zu erhalten. So wirklich aussagekräftig war meine Testaufnahme dann aber aus folgenden Gründen nicht: Ich kenne die Charakteristik der NT5 noch nicht wirklich. Interessanter wäre ggf. die Leistung (Aufnahmequalität) des Zoom H4n als Gesamtpaket (Mikrofone, Preamp, A/D-Wandler) gegenüber einer definierten/bekannten aber komplett unabhängigen Aufnahmekette. Das Einpegeln der Aufnahme hatte ich noch nicht so richtig drauf, da die Peaks letztlich bei -8,6 dB (ext. Mics Rode NT5) bzw. -15,1 dB (int. Mics) lagen (und die ich dann jeweils bis auf -0,5 dB normalisiert habe). Letztlich fehlte mir ein akustisches Signal, welches für die Einschätzung der Mikrofonqualität geeignet war. Nun, ich habe mich dann entschlossen aus etwa 50 cm Entfernung zu den Mikrofonen ein paar Töne in mein Altsaxophon zu husten und mal zu hören, was passiert.
Also, alles was ich mit Sicherheit aus diesen Aufnahmen schliessen kann ist, dass der Saxophonist zum Üben geschickt werden muss und dass die Qualität der im Zoom H4n eingebauten Mikrofone in Ordnung geht.
Den Stereo Mode würde ich als den Hauptmodus des H4n bezeichnen, weil er das macht, was ich von einem mobilen Audiorekorder in erster Linie erwarte: Audioaufnahmen über die eingebauten Mikrofone auf eine Stereospur. Der H4n kann allerdings auch Mono-Aufnahmen machen. Dazu muss über das Menü der Mono-Mix eingeschaltet werden. Eine Mono-Aufnahme entsteht also immer durch zusammenmischen von zwei Signalen – man kann also nicht z.B. nur das linke Mikrofon (und nicht das rechte) einstellen. Gleiches gilt für die externen Eingänge 1 und 2, die alternativ als Aufnahmequelle genutzt werden können. Diese sind beim H4n als Kombibuchse aus XLR (symmetrisch) und Klinke (unsymmetrisch) ausgeführt. Daran anschließen lassen sich über die XLR-Buchse z.B. Mikrofone (die mit 24V oder 48V Phantomspeisung versorgt werden können) oder Klangquellen mit Instrumenten- oder Line-Pegel (z.B. Gitarre, Keyboard, etc.) über die Klinken-Buchse.
Die Aufnahmequelle lässt sich mit den Input-Tasten „MIC“, „1“ und „2“ auf der Geräteoberseite umschalten, wobei die Eingänge 1 und 2 im Stereo Mode immer gleichzeitig aktiviert oder deaktiviert werden. Eine weitere Anschlussmöglichkeit findet sich auf der Rückseite des H4n mit einer Mini-Stereoklinkenbuchse für Stereomikrofone, die auch mit Plug-In-Power versorgt werden können. Diese ersetzen dann die internen Mikrofone. Die Aufnahmelautstärke lässt sich für die jeweils aktivierten Eingänge (MIC oder INPUT) über die an der rechten Geräteseite befindliche +/- Tastenwippe „REC LEVEL“ im Bereich von 1 bis 100 (ab System Version 1.30 zusätzlich auch zwischen 0.1 und 0.9) justieren. Die Werte werden für MIC und INPUT separat gespeichert. Erreicht der Aufnahmepegel die 0dB-Marke, wird das Clip-Meter-Kästchen im Display am rechten Ende der Level-Skala ausgefüllt dargestellt. Bei Übersteuerung blinkt der entsprechende Input-Taster wie verrückt. Der H4n bietet im Stereo Mode auch eine M/S-Matrix zur Dekodierung einer Mitte-Seite-Mikrofonanordnung mit einer Acht und z.B. einer Niere.
Alle Aufnahmen im Stereo Mode werden auf der SD-Card unter dem Ordner „STEREO“ in einem der standardmäßig angelegten FOLDER 01 bis 10 gespeichert. Die Folder können über die Folder-Taste gewechselt werden und gestatten gewissermaßen eine Strukturierung, die das Wiederauffinden bestimmter Aufnahmen erleichtern (können). Als Aufnahmeformate stehen im Stereo Mode MP3 in verschiedenen Qualitätsstufen (48, 56, 64, 80, 96, 112, 128, 160, 192, 224, 256 und 320 kbps sowie VBR) und WAV (44,1 kHz mit 16 oder 24 bit, 96 kHz mit 16 oder 24 bit) zur Verfügung und können über die WAV/MP3-Taste ausgewählt werden. Alle Aufnahmedateien können umbenannt, geteilt, gelöscht oder in einen anderen Folder bzw. in ein MTR-Projekt verschoben werden. WAV-Dateien können zusätzlich nach MP3 encodiert, normalisiert oder mit (maximal 99) Markern versehen werden. Das Setzen von Markern bei WAV-Dateien geht übrigens ganz einfach über das Drücken der REC-Taste während der Aufnahme oder Wiedergabe. Die Marker können dann über die Forward- und Rewind-Tasten angesprungen werden. Eine Markerliste der WAV-Datei lässt sich als Übersicht anzeigen. Eine Möglichkeit Marker zu löschen habe ich bis jetzt noch nicht gefunden.
Die zwei im H4n integrierten Effektmodule werden im Stereo Mode (wahlweise zuschaltbar) für einen Low Cut (bei 80, 98, 115, 133, 150, 168, 185, 203, 220 oder 237 Hz) und einen Kompressor bzw. Limiter genutzt (für die es je drei feste und nicht näher beschriebene Programme gibt: COMP1 GENERAL, COMP2 VOCAL, COMP3 DRUM, LIMIT1 GENERAL, LIMIT2 CONCERT, LIMIT3 STUDIO). Weiterhin gibt es im Stereo Mode Funktionen wie AUTO REC (bei der die Aufnahme mit Überschreiten eines einstellbaren Start-Levels (-48 – 0dB) automatisch startet und bei Unterschreiten eines einstellbaren Stop-Levels (-48 – 0dB) und Ablauf einer einstellbaren Auto-Stop-Zeit (0-5 Sekunden) automatisch stoppt) und PRE REC (bei der 2 Sekunden des während der Aufnahmebereitschaft zwischengespeicherten Aufnahmesignals am Anfang der Aufnahme hinzugefügt werden). Die beiden Funktionen können übrigens leider nicht gleichzeitig genutzt werden. Als Werkzeuge im H4n ausgewiesen sind Tuner (in den Ausprägungen Chromatic, Guitar, Bass, Open A, Open D, Open E, Open G und DADGAD), Metronom, A-B-Repeat und Speed (welches die Wiedergabe von MP3/WAV-Dateinen mit variabler Geschwindigkeit von 50% bis 150% gestattet). Die akustische Kontrolle der Aufnahme geschieht entweder über den in der Geräterückseite eingebauten Monolautsprecher oder über an die mit „Kopfhörer/Line“ bezeichnete Mini-Stereoklinkenbuchse angeschlossene Geräte – mit Einstöpseln eines Steckers verstummt der eingebaute Lautsprecher. Die (gemeinsame) Lautstärke wird über die an der linken Geräteseite befindliche +/- Tastenwippe „VOL“ geregelt. Über das Menü lässt sich ein permanentes Monitoring einschalten – standardmäßig wird das Aufnahmesignal erst mit der Aufnahmebereitschaft an die Abhöre durchgereicht.
Vom Stereo Mode aus kann über einen Menüpunkt eine USB-Verbindung (Laufwerk oder Audiointerface) zu einem Rechner etabliert werden. Nur die USB-Kabelverbindung zu stecken reicht nicht (während des Stereo Mode). Ebenfalls über das Menü kann in einen anderen Mode (4CH, MTR) gewechselt werden. Zoom gibt für den H4n eine Spiel- bzw. Aufnahmedauer von 6 Stunden mit einem Satz Batterien an. Das habe ich ausprobiert: Mit zwei frischen Alkaline-Batterien (Panasonic Xtreme Power) und den Einstellungen MP3 bei 320 kbps, 80 Hz Low Cut, Limiter (General) habe ich eine Aufnahmezeit von 5 Stunden, 15 Minuten und 22 Sekunden erreicht, bevor das Licht (respektive der H4n) ausging.
Seit gestern (01.04.2009) gibt es für den Zoom H4n die Systemversion 1.30 zum Download auf der Zoom-Seite (www.zoom.co.jp) und das ist kein Aprilscherz. Mit dem Update wurde laut Release-Information eine Funktion ergänzt und ein Problem behoben. Die Aufnahmelautstärke lässt sich nun unterhalb des Wertes 1 noch in Zehntelschritten einstellen (also von 0.1 bis 0.9). Behoben wurde das Problem, dass sich eine Datei in seltenen Fällen nicht löschen lässt.
Dieses Problem ist bei mir noch nicht aufgetreten. Ich hatte aber schon mal einen seltsamen Geräteabsturz beim Zerteilen einer WAV-Datei. Da ging überhaupt nichts mehr, auch nicht Ausschalten. Ich musste die Batterien entfernen. Zumindest in dem zeitlichen Zusammenhang ist mir danach aufgefallen, dass eine Aufnahme jeweils mit ca. 4 Sekunden Verzögerung gestartet wird. Ich dachte erst, das müsste an meiner 4GB SD-Karte von SANDISK (Ultra II) liegen. Also die mitgelieferte 1GB-SD-Karte rein und verglichen. Hier das gleiche Ergebnis. Das Rücksetzen auf die Factory-Einstellungen brachte es wieder ins Lot. Auf beiden SD-Karten ließ sich danach wieder ohne Verzögerungen beim Start aufnehmen. Der nochmalige Versuch dieselbe WAV-Datei mit DIVIDE zu teilen, hatte dann übrigens funktioniert. Bestimmte Einstellungen am H4n, die dieses Verhalten verursacht haben könnten, konnte ich nicht nachvollziehen.
Das System-Update ließ sich problemlos durchführen. Wie auf Seite 133 des Handbuches beschrieben, muss man die Datei System.bin ins Root-Verzeichnis der SD-Karte kopieren und den H4n dann bei gedrückter Play-Taste anschalten. Dauert etwa zwei Minuten. Man sollte dafür Sorge tragen, dass während des Updates nicht gerade der Akku schlapp macht. Die ganz sichere Variante ist übrigens Netzteil anschließen und geladene Akkus bzw. nicht leere Batterien einlegen. Für den seltenen Fall des Stromausfalls macht der H4n dann auf den Akkus oder Batterien weiter, auch wenn der Stecker des Netzteils nicht aus dem H4n gezogen wird. Das ist selbstverständlich, klar. Ich habe es trotzdem mal ausprobiert (allerdings nicht während des System-Updates).
Der Stamina Mode beim Zoom H4n ist eine Einrichtung zum Sparen. Genauer gesagt zum Stromsparen mit dem Ziel, die Batterielaufzeit zu erhöhen. Stamina steht in diesem Zusammenhang wohl für Ausdauer, Zähigkeit, Durchhaltevermögen und/oder Kondition. Im Gegensatz zu den anderen Modes des H4n (STEREO, 4CH, MTR) lässt sich der Stamina Mode nicht über einen Menüpunkt umschalten, sondern wird durch Umlegen eines kleinen Schalters im Batteriefach und anschließendem Einschalten des Gerätes aktiviert. Aus diesem Mode kann man wiederum nicht zu den anderen Modes zurückwechseln ohne das Gerät auszuschalten, das Batteriefach zu öffnen, den Schalter in die Ausgangsposition zu bringen, das Batteriefach zu schließen und das Gerät wieder einzuschalten. Der Grund dafür ist vermutlich darin zu suchen, dass bestimmte (stromverbrauchende) Systemteile gar nicht erst hochgefahren werden. Der Stamina Mode stellt sich für mich als spezielle Form des Stereo Mode dar: die Stereo-LED leuchtet, die Aufnahmedateien werden unterhalb des Ordners STEREO auf der SD-Karte abgelegt und die Aufnahme und Wiedergabe ist auf zwei Spuren begrenzt. Die Darstellung im Display ist mit der im Stereo Mode identisch, nur dass unten links „STAMINA“ angezeigt wird. Funktional sind gegenüber dem Stereo Mode einige Einschränkungen hinzunehmen:
Das Aufnahmeformat ist fest auf WAV mit 44,1 kHz und 16 bit eingestellt. Demzufolge hat die [WAV/MP3]-Taste (mit der ansonsten das Aufnahmeformat gewählt werden kann) hier keine Funktion. Die WAV-Dateien können im Stamina Mode nicht nach MP3 encodiert, nicht normalisiert, nicht geteilt und nicht verschoben werden. Die [SPEED]-Taste hat keine Funktion, d.h. die Wiedergabe in variabler Geschwindigkeit ist in diesem Mode nicht möglich. Weiterhin kann kein Kompressor oder Limiter genutzt werden. Ein Low Cut hingegen kann in den Signalweg geschaltet werden. Die MS-Matrix ist nicht verfügbar, die Pre-Rec-Funktion ist nicht nutzbar und es werden keine Tools (Tuner, Metronom, A-B-Repeat) angeboten. Außerdem kann man im eingeschalteten Zustand keine USB-Verbindung mit dem Computer etablieren.
All dieser Verzicht soll laut Zoom zu einer Laufzeit (und im besten Fall einer Aufnahmezeit) von 11 Stunden mit einer Batteriefüllung führen. Nur eine geschönte Werbeaussage? Keineswegs. Ich habe den Test gemacht und dazu zwei frische Alkaline-Batterien der Mittelklasse (Panasonic Xtreme Power) eingelegt und die Aufnahme gestartet. Den Low Cut hatte ich nicht aktiv. Da meine größte SD-Karte nur 4 GB fasst, musste ich nach ca. 6 Stunden eingreifen, die Aufnahme stoppen, SD-Karte formatieren und die Aufnahme erneut starten - der Speicherplatz hätte sonst nicht ausgereicht. Übrigens handhabt der Zoom H4n das so, dass er die Aufnahmedatei (auf der mit FAT32 formatierten SD-Karte) bei 2047,0 MB abschließt und die Aufnahme in einer neuen Datei fortsetzt. Am Ende hatte der Zoom H4n insgesamt vier Dateien mit zusammen 6.628,7 MB geschrieben und damit eine Aufnahmezeit von 10 Stunden 56 Minuten und 43 Sekunden erreicht, bevor die Batterien aufgegeben haben.
Wie sinnvoll ist der Stamina Mode? Nun, in ganz bestimmten (kritischen) Situationen kann es wichtig sein, keine Sekunde zu versäumen. Das sollte man aber vorher wissen, denn der Zoom H4n lässt sich nicht mal eben auf „Stromsparen“ umschalten wenn man merkt, dass es eng werden könnte. Voraussetzung ist natürlich, dass der Speicherplatz auf der SD-Karte reicht. Aber SD-Karten mit 8 GB kosten ja auch nicht mehr die Welt… Notwendige Bearbeitungsfunktionen kann man später auch im Stereo Mode erledigen, falls man die Dateien nicht ohnehin auf dem Rechner weiterverarbeitet. In der Praxis hat dieser Mode für mich sicher nicht die große Relevanz. Aber trotzdem schön, dass es ihn gibt.
Ich empfinde Freude! Und zwar (unter anderem), wenn ich meinen neuen Zoom H4n in die Hand nehme. Nach der kurzen und etwas enttäuschenden Bekanntschaft mit dem Zoom H4 (siehe auch And the winner is: Zoom H4 sowie und Tschüss, Zoom H4) gebe ich nun dem Nachfolger Zoom H4n eine Chance. Und der erste Eindruck fällt hier deutlich positiver aus. Hübsch ist er geworden, finde ich. Mit gummierter Geräteoberfläche, größerem Display (weiterhin mit 128 x 64 Punkten) und ohne Menü-Tasten-4-Wege-Wackelschwanz hinterlässt er bei mir einen wertigen Eindruck. Endlich gibt es bei so einem Gerät mal eine korrekte XY-Anordnung der eingebauten Mikrofone, was aber bei den Aufnahmen möglicherweise rein akademischer Natur sein könnte. An meinen ursprünglichen Überlegungen zur Auswahl eines mobilen Recorders brauchte ich mit diesem Gerät keine Abstriche machen. Lediglich das Budget musste ich moderat aufstocken. Momentan ist er ab 349,- € erhältlich. Und die Geduld bis zur Auslieferung musste ich aufbringen, denn der Zoom H4n ist in Deutschland gerade erst lieferbar (meiner ist am 24.03.09 angekommen). Der Lieferumfang ist beim H4n mit Netzadapter, Windschutz, Adapter für Mikrofonspinne, SD-Karte (1 GB), Aufbewahrungsbox aus Kunststoff, gedrucktes (englischsprachiges) Handbuch und USB-Anschlusskabel (wie bei Zoom inzwischen selbstverständlich) sehr gut. Es kann also sofort losgehen. Für mobiles Recording benötigt man lediglich noch zwei AA-Batterien. Die kabelgebundene Fernbedienung (RC04) gibt es als separates Zubehör momentan wohl noch nicht zu kaufen. Was mir gleich bei den ersten Probeaufnahmen aufgefallen war, ist die große Empfindlichkeit des H4n gegen Wind. Es reicht schon aus, sich mit dem H4n im Innenraum schnell umzudrehen – schon hat man die charakteristischen Rumpelgeräusche auf der Aufnahme. In freier Natur findet man selten einen entsprechenden Windschatten für rumpelfreie Aufnahmen. Dagegen hilft der mitgelieferte Windschutz aus Schaumstoff allerdings recht gut. Und nach meinem Empfinden verändert der Windschutz die Aufnahme nicht wesentlich. Also heißt das für mich: draußen immer die Mütze aufsetzen. Audioqualität und Stereoeindruck sind sehr ansprechend. Aber das war schon beim Vorgänger nicht das Problem. Weiterhin vorhanden ist (trotz gummierter Gehäuseoberfläche) eine störende Körperschall-Empfindlichkeit - wenn auch in geringerem Umfang als beim H4. Jedes Umgreifen am Gehäuse oder Bedienen von Knöpfen erzeugt verhältnismäßig laute Geräusche auf der Aufnahme. An der angegebenen Batterie-/Spieldauer von bis zu 6 Stunden habe ich im Moment noch Zweifel. Aber das ist nach bisherigen Erfahrungen rein gefühlsmäßig und ich werde das (wie vieles andere auch) später noch genauer untersuchen; insbesondere was der Stamina-Mode wirklich bringt (Spieldauer bis zu 11 h).
Bis dahin nachfolgend eine erste Probeaufnahme, die beim Durchlaufen des Flures im Cottbuser Musikkonservatorium entstanden ist. Leider habe ich erst hinterher gemerkt, dass das Kabel von meinem Kopfhörer an der Jacke geraschelt hat…
Ergänzung: Was auch positiv auffällt ist das auf der Rückseite im Gehäuse eingelassene Stativgewinde. Der Zoom H4 hatte noch diese unhandliche Halteschale mit Riemchen. Gut zu gebrauchen ist ebenso der eingebaute Monolautsprecher, der ein schnelles Kontrollhören möglich macht ohne Kopfhörer anschließen zu müssen.