Schärfentiefeübungen
Ein Hauptgrund, warum Menschen Fotos anfertigen, ist der, dass man sie sich später ansehen kann. Ich persönlich sehe mir lieber Fotos an, die irgendwie interessant sind. Als (Hobby-)Fotograf versuche ich deshalb selbst interessante Bilder zu machen, was nicht immer einfach ist. Ein Handicap der (traditionellen) Fotografie besteht darin, dass der Mensch seine Umwelt dreidimensional wahrnimmt und ein Foto nur zwei Dimensionen bietet. Allerdings kann der Fotograf unter Ausnutzung von menschlichen Sehgewohnheiten in seinen Fotos mit unterschiedlichen Mitteln einen räumlichen Eindruck erzeugen. Überwiegend wirken Fotos mit räumlicher Tiefe interessanter als andere. Ein mögliches Gestaltungsmittel dafür ist eine bewusst gewählte Schärfentiefe, die das (Haupt-)Motiv im Bild (scharf) vom Vorder- und/oder Hintergrund (unscharf) freistellt. Das funktioniert bei digitalen Kameras, die einen größeren Sensor haben (z.B. Spiegelreflexkameras), besser als bei solchen mit kleinem Sensor (z.B. digitale Kompaktkameras) - ein gern gebrauchtes Argument für Spiegelreflexkameras. Weiterhin haben folgende Größen Einfluss auf den Grad der Schärfentiefe: Brennweite, Blende und Aufnahmeentfernung. Sehr vereinfacht könnte man sagen, dass eine größere Brennweite, eine größere Blende (kleinerer Blendenwert) und eine geringere Aufnahmeentfernung jeweils eine geringere Schärfentiefe nach sich ziehen.
- Blende 2, 1/1250 s
- Blende 4, 1/320 s
- Blende 2, 1/640 s
- Blende 2, 1/1250 s
- Blende 8, 1/80 s
- Blende 2, 1/1600 s
Aber wie gering ist denn nun eine geringe Schärfentiefe? Das lässt sich berechnen, zum Beispiel mit diesem Schärfentieferechner. Noch ein konkretes Beispiel: bei einer Aufnahmeentfernung von 100cm, einer Brennweite von 135mm und der Blende 2.0 sollte an einer Kamera mit Kleinbildsensor ein Bereich (in der Tiefe) von knapp 6mm scharf dargestellt werden. Der Übergang zwischen Schärfe und Unschärfe ist übrigens fließend. Schön, dass man so einen Wert berechnen kann. Aber wie sieht das dann auf dem Foto aus? Neben dem Wissen um die Zusammenhänge braucht es hierfür vor allem Erfahrung. Ich kenne zumindest niemand, der erst einmal seinen Schärfentieferechner auspackt, wenn er ein Foto machen will. Hauptsächlich nimmt der Fotograf über die Wahl der Blende Einfluss auf die Schärfentiefe. Im Zweifel könnte man die Blendenreihe durchfotografieren und sich das beste Ergebnis aussuchen. Manchmal hat man aber nur einen Versuch. Um an diese Erfahrungen zu kommen habe ich angefangen, bewusst die Gestaltung mit der Schärfentiefe zu üben. Zur Illustration habe ich ein paar Bildbeispiele eingefügt. Alle Bilder habe ich mit der Canon EOS 5D Mark II und dem Canon EF 135/2 L USM bei ISO 100 und Zeitautomatik gemacht. Die Aufnahmeentfernung war (mit Hilfe eines Zwischenrings) kleiner als einen Meter.
Akkordwechsel





