Im Wechsel der Akkorde
Montag, 22. März 2010

Erfahrungsbericht Tamron SP AF 24-135/3.5-5.6 AD

Oh je, was ist denn das? Ein Dinosaurier aus längst vergangenen „analogen“ Tagen, möchte man meinen, und in Deutschland nicht sehr weit verbreitet. „Wie bist Du denn an die Scherbe gekommen?“ höre ich Euch fragen. Und um es auf die Spitze zu treiben: ich habe das Objektiv als Neuware gekauft mit Garantie und allem drum und dran.
Nun, es soll mir letztlich über die Zeit hinweghelfen, bis ich mir ein möglichst kompromissloses Standardzoom kaufen kann. Diese Zeit ist notwendig für mich, um meinen Sparplan in die Tat umzusetzen, und für die Hersteller von Objektiven, damit sie dieses „möglichst kompromisslose Standardzoom“ in der Zwischenzeit entwickeln und produzieren können, denn ich habe es bisher nicht gefunden.

Ich habe ewig lange überlegt, ob ich mir das Canon EF 24-70/2.8 L USM oder das Canon EF 24-105/4 L IS USM kaufen sollte. Habe auch darüber nachgedacht das Sigma 24-70/2.8 EX DG HSM oder das Tamron SP AF 28-75/2.8 XR Di LD Asph. [IF] MACRO in die engere Wahl einzubeziehen. Ellenlange Foren-Diskussionen und Beispielbilder habe ich mir angesehen und Tests in Zeitschriften gelesen. Und ich bin letztlich zu dem Schluss gekommen, dass mich wahrscheinlich keines so richtig glücklich machen würde.
Kauf ich halt keins, ist auch gut. Ich könnte mir jeden Tag meinen Kontostand anschauen und mich über das gesparte Geld freuen. Wenn da nicht die Brennweitenlücke an meiner neuen Canon EOS 5D Mark II wäre. Mein Ultraweitwinkel (Canon EF-S 10-22/3.5-4.5 USM) funktioniert nur an APS-C-Kameras (z.B. meiner 40D), ebenso wie mein Superzoom (Sigma 18-200/3.5-6.3 DC OS). Erst bei 50 mm (Canon EF 50/1.4 USM) und ab 70 mm (Canon EF 70-200/4 L IS USM) könnte ich die 5DMk2 nutzen. Na ja, das wollte ich so nicht lassen.

Und warum gerade dieses Objektiv? Kurz: exotisch und nicht teuer (ob es preiswert ist, muss sich noch zeigen). Und jetzt nehme ich es sportlich und versuche aus meinem neuen Tamron-Objektiv das beste herauszuholen. Getreu dem Motto: die Schwächen kennen und die Stärken nutzen. Dazu werde ich auch einige Vergleiche anstellen, obwohl ich sonst nicht so der Pixelpeeper bin (denke ich jedenfalls). In jedem Fall ist das immer nur meine persönliche Sicht der Dinge (alle anderen haben auch Recht …).

Sicherlich ist das Objektiv seinerzeit als Superzoom oder leichtes „Immderdrauf“-Reise-Zoom für das Kleinbildformat entwickelt worden, denn der zur Verfügung stehende Brennweitenbereich ist recht attraktiv. Immerhin läuft das Objektiv in Tamrons Super-Performance-Klasse, wofür das „SP“ im Namen steht. Tamron sagt: „Diese spezielle Tamron Bezeichnung kennzeichnet Objektive mit außergewöhnlicher Konstruktion und herausragender optischer Leistung.“ Es handelt sich also um eine Hervorhebung aus dem sonstigen (normalen) Objektivprogramm, vergleichbar mit Sigmas EX- oder Canons L-Benennung der Objektive. Das erhöht meine Erwartungshaltung an die optische Qualität nur ein wenig, denn andererseits trägt das Objektiv kein „Di“ im Namen. Das bedeutet wohl, dass es nicht speziell auf die Spezifikationen von digitalen Spiegelreflexkameras abgestimmt wurde. Was das in der Praxis konkret an Nachteilen bringen könnte, übersehe ich derzeit nicht.

Ein paar Daten zum Tamron SP AF 24-135/3.5-5.6 AD Asph. [IF]:

Bauweise Drehzoom
Bildwinkel 84° – 18°
Brennweitenbereich 24 – 135
Elemente/Gruppen 14/10
Filtergröße 72 mm
Blendenlamellen 7
kürzeste Einstellentfernung 40 cm
(über den gesamten Zoombereich)
Gewicht 530 g
Durchmesser x Baulänge 78,5 mm x 80,6 mm

Die größte Blende wird in einem Bereich von 3.5 bis 5.6 angegeben und ist brennweitenabhängig. Ich habe mal versucht zu ermitteln, bei welcher Brennweite welche größte Blende zur Verfügung steht. Dabei sind folgende Werte herausgekommen:

Brennweite größte Blende
24 – 32 3.5
33 – 40 4.0
41 – 60 4.5
61 – 85 5.0
86 – 135 5.6

Zwar sind die Informationen im Internet rar, aber ein (wohl auch bei Tamron) bekanntes Problem ist angeblich der Autofokus. Es wird von einem Fehlfokus berichtet, d.h. das Objektiv wird nicht zutreffend scharf auf das Motiv gestellt. Daher habe ich mal den Test mit dem Fokus-Detektor (von Traumflieger) gemacht und war auf einiges gefasst. An meiner 40D habe ich bei 24 mm im Bereich der Naheinstellgrenze einen leichten Frontfokus festgestellt, aber der wirkt sich in der Praxis kaum aus. Bei den anderen Brennweiten, die ich an der 40D ausprobiert habe (35 mm, 50 mm, 70 mm, 100 mm, 135 mm), wurde richtig fokussiert. An der 5D Mark II hingegen war ein leichter Frontfokus über den gesamten Brennweitenbereich zu beobachten, der sich aber mit der Objektivkorrektur (AF-Feinjustierungsfunktion) der 5D Mark II ausgleichen ließ. Verglichen mit anderen Zoom-Objektiven, die ich besitze, ist der Autofokus des Tamron eher als treffsicher einzuordnen.

Das ist auch gut so. Denn was man komplett vergessen kann, ist, das Objektiv manuell scharf stellen zu wollen. Auf Grund des minimalen Drehweges fahre ich trotz bestmöglichem Feingefühl immer wieder über den Schärfepunkt, aber kann ihn einfach nicht exakt einstellen. Da ist es auch nicht weiter schlimm, dass das Objekiv im Autofokus-Modus keinen manuellen Eingriff erlaubt, wie es beispielsweise bei den Ultraschall-Antrieben (USM) bei Canon der Fall ist. (Dort kann die elektronisch gesteuerte Scharfstellung jederzeit durch manuellen Eingriff übernommen werden, ohne den AF-Modus zu verlassen.) Also, ohne einen funktionierenden Autofokus hätte ich das Objektiv nicht gebrauchen können und es zurückgeben müssen (was ja im Internethandel kein Problem darstellt). Das Autofokusgeräusch ist hörbar lauter als ein Ultraschall-AF – keine Überraschung. Dafür ist der Autofokus für mein Empfinden (wahrscheinlich auch wegen des sehr kurzen Einstellweges) recht flott.

Und wie sieht es mit der Schärfe aus? Wer schon bei Offenblende knackige Schärfe erwartet, wird sicher enttäuscht. Für ansprechende Ergebnisse muss man etwas abblenden. Abgeblendet kann ich auch keine Randabdunkelung (Vignettierung) mehr erkennen. Was mir sehr gut gefällt sind die Farben und die Kontraste. Darin sehe ich die Stärke dieses Objektivs. Das Bokeh (das Aussehen im beabsichtigten Unschärfebereich) ist meiner Meinung nach kein unbedingtes Highlight des Objektivs, geht aber in Ordnung. Das Objektiv empfiehlt sich vielleicht nicht unbedingt für Porträts, meine ich (obwohl ich das auch ausprobieren werde). Für Landschaftsaufnahmen, bei denen mir der Weitwinkel am meisten gefehlt hätte und wo ich ohnehin abblenden möchte, sollte es auf Grund der schönen Farben und Kontraste sehr gute Ergebnisse bringen. Gut auch, dass mein Polfilter (72 mm) an das Objektiv passt.

Ich denke, dass ich mit dem Objektiv eine Weile zurechtkommen werde. Gut möglich, dass ich später statt des (vielleicht nie existierenden) „möglichst kompromisslosen Standardzoom“ auf ein oder zwei Festbrennweiten gehen werde. Dazu kann ich mich aber in Ruhe an den zwischenzeitlich entstandenen Bildern erfreuen und sie auf die am häufigsten genutzten Brennweiten hin untersuchen.

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Reaktionen zu “Erfahrungsbericht Tamron SP AF 24-135/3.5-5.6 AD” (4)

  1. He, danke für den kleinen Bericht.
    Deckt sich mit meinen Erfahrungen.

  2. interessanter Bericht, danke

  3. Dieses Objektiv ist auch heute noch ein Juwel. Ich besitze zwei davon!

  4. Danke für den Bericht.
    Habe gerade auch ein gebrauchtes in Pentax-Ausführung für meine K1 ergattert und der erste Eindruck ist ganz Positiv – allerdings deutlich größer und schwerer als das Sigma 28-105UCIII, das allerdings nicht ganz den Brennweiten-Bereich abdeckt.

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