Im Wechsel der Akkorde
Mittwoch, 02. Dezember 2009

Willkommen Lexicon MPX-1

Eine Frage, die ich mir schon seit längerem gestellt (und letztlich beantwortet) habe, ist die nach dem Sinn oder der Notwendigkeit eines Hardware-Effektgerätes bei der immer besseren Leistungsfähigkeit der DAWs und spezialisierter (Software-)Effekt-PlugIns. Ich möchte überhaupt nicht auf die Röhrentechnik und deren Simulation hinaus, sondern spreche von solchen Effekten, die auch in einem Hardware-Effektgerät (ggf. nach der A/D-Wandlung eines analogen Signals) berechnet werden (bevor sie dann im Zweifelsfall wieder D/A-gewandelt werden müssen).

Ich bin dann zu der Überzeugung gekommen (und das ist nur meine ganz persönliche Einschätzung), dass man Unterschiede am deutlichsten beim Reverb wahrnimmt. Das ist erst einmal unabhängig davon, ob ein Reverbprogramm in einem Effektgerät oder PlugIn erzeugt wird. Interessant sind dabei natürlich der Algorithmus und die Verschaltung mit anderen Effekten (z.B. EQ), da es sich beim Reverb eigentlich oft um einen Multieffekt handelt. Gut programmierte Effekte sind deshalb das wesentliche Kriterium für mich. Ausserdem ist ein tolles Reverb wohl, wie bei so vielen Dingen, eine Frage des persönlichen Geschmacks. Dass dieses mehr oder weniger rechenintensiv sein kann, hat meiner Meinung nach keinen so großen Einfluss auf die Beantwortung der o.g. Frage.

Hardware (mit Software) bei Effektgeräten sollte in der Regel kostenintensiver sein als nur Software bei PlugIns. Zumindest bei identischem Entwicklungsaufwand für Algoritmen und Programme. Der ist allerdings fast immer unbekannt. Letztlich wird nur der diesbezügliche Erfolg in den Effektprogrammen hör- und ggf. messbar.

Ein paar praktische Gesichtspunkte gibt es dabei auch noch zu beachten. Nicht ganz vergessen sollte man, dass der „Hardwareanteil“ bei PlugIns in Form von Rechenleistung der DAW vorhanden sein muss. Schon blöd, wenn der Sequencer beim Mixdown aller ‚zig Spuren und PlugIns instabil wird. (Aber der PC-Neukauf stand ja sowieso schon auf der Wunschliste.)

Für ein Effektgerät benötigt man einen Platz (im Rack), Strom, ein paar (hoffentlich gute XLR-)Kabel und Anschlüsse, in die man die andere Seite der Kabel stecken kann. Also ein Mischpult mit AUX Send und Return oder Output und Input an der DAW. Für ein PlugIn braucht man meist nur ein paar MB auf der Festplatte. Fragen der Wertstabilität und des Weiterverkaufs lasse ich mal außen vor. Bei der Bedienung gibt es Unterschiede, klar. Bei Effektgeräten wie auch bei PlugIns kann man gute und schlechte Bedienoberflächen bekommen.

Die Einbindung der PlugIns in Song-Projekte (Thema: Total Recall) ist natürlich komfortabler und einfacher – die Einstellungen werden einfach mit abgespeichert. Aber auch bei Effektgeräten lässt sich das mit ein bisschen Aufwand realisieren (z.B. MIDI-Dump). Ein (aus meiner Sicht) schlagendes Argument für PlugIns ist, dass sie in beliebig vielen Instanzen genutzt werden können. (Zumindest bei Multieffekten, denn ich habe noch nie mehr als ein (Haupt-)Reverb benötigt.)

Na gut, wenn man also die Effektprogramme seiner Wahl in einem PlugIn haben kann – wozu noch eine Blechkiste? Fast wäre ein Traum in Erfüllung gegangen und zwar mit der Ankündigung des PCM Native Reverb Plug-in Bundle von Lexicon – sozusagen das PCM91 in Software. Kleiner Wermutstropfen: die Preisempfehlung von fast 1.900 Dollar. Ja, ja, für das PlugIn.

Ich habe dann doch lieber auf eine gebrauchte Blechkiste zurückgegriffen. Ein PCM90 oder PCM91 war mir allerdings auch gebraucht noch zu teuer. Eine interessante Entdeckung von Björn Bojahr, den ich als Autor bei der Zeischrift Keyboards kenne, hat mich dann zum MPX-1 gebracht. Der hat nämlich einige Werkspresets der Lexicon PCM90/91 am MPX-1 nachempfunden und das mit erstaunlichem Erfolg. Das wollte ich gern einmal ausprobieren. Gesagt, getan.

Na ja, alles was neu ankommt, muss erst einmal ausprobiert werden. Dazu habe ich ein paar Noten auf meinem Altsaxophon gespielt. Die Aufnahme ist mit dem Mikrofon Electro-Voice RE20 über den Preamp Phonic VocalMax und den A/D-Wandler des Behringer ADA8000 (trocken) in meinen Rechner gekommen. Dann habe ich die aufgenommene Datei ein paar mal abgespielt, das jeweilige Programm am MPX-1 gewählt und als Bus-Effekt der Summe hinzugemischt und wieder aufgenommen. Ich habe natürlich nicht erst versucht, das Reverb zu „verstecken“ – es soll ja was zu hören sein.

VGWort-Zählermarke

die trockene Aufnahme
MPX-1 Preset 63 Sax Solo
MPX-1 Preset 52 Reverse Rvb

Jetzt noch mit ein paar der o.g. Reverb-Programme von Björn Bojahr:

MPX-1 PCM Sax Gate
MPX-1 PCM Brass Plat
MPX-1 PCM Sax Hangar

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