Im Wechsel der Akkorde
Freitag, 17. November 2017

Viertes Zwischenfazit meines Saxunterrichts

Gestern habe ich meine 200. Unterrichtsstunde am Saxophon absolviert und möchte kurz zurückblicken: hat sich der Unterricht gelohnt? Konnte ich dadurch mein spielerisches Können verbessern?

Dieses Zwischenfazit ist übrigens das vierte, weil es schon das erste, zweite und dritte gab.

Am 01. März 2011 habe ich begonnen, am Konservatorium Cottbus Saxophonunterricht zu nehmen. Mein damaliger Lehrer hat mir in insgesamt 78 Stunden (a 45 Minuten) den (Wieder-) Einstieg als Holzbläser erleichtert.
In dieser Zeit standen neben spieltechnischen Fragen vor allem eine präzise Artikulation und Klangformung im Vordergrund. Rückblickend habe ich sehr davon profitiert, dass dieser Lehrer mir didaktisch fundiert etwas beigebracht, mir jede Schwachstelle benannt und daran mit mir gearbeitet hat.
Einige Stücke oder auch Stellen wurden fast bis zum Erbrechen immer und immer wieder gespielt. Ein Satz, den ich damals gelegentlich hören musste, war: „Könntest du zur Abwechslung mal das spielen, was dasteht?“ So direkt auf meine Defizite hingewiesen zu werden, hat mich oft getroffen. Warum tue ich mir so etwas nach einem harten Arbeitstag noch an? Aber nur so konnte ich mich verbessern und es hat mich immer wieder angespornt zu üben.

Um insbesondere das Improvisieren zu erlernen habe ich ab 01. August 2013 zu einem anderen Lehrer an der Musikschule Oberspreewald-Lausitz gewechselt. Bei ihm habe ich bisher 122 Stunden (a 60 Minuten) absolviert und hoffe, dass es noch sehr viel mehr werden. Allein sein Saxophonspiel ist für mich immer sehr inspirierend.
Im Unterricht geht es um harmonische Zusammenhänge, Skalen, Stilistik und natürlich das Anwenden beim Saxophonspiel. Dazu gehört auch, den alten und neuen Meistern der Improvisation über die Schulter zu schauen; also Solos zu transkribieren und nachzuspielen (und sei es in halbem Tempo).

Zusammen mit meinen Übungen zu Hause habe ich seit 2011 bis heute genau 1258 Stunden Saxophon gespielt.

Was ist dabei herausgekommen? Nun, ich spiele sicher besser Saxophon als jemals zuvor. Allergings hatte ich mir anfangs noch ein deutlich höhreres Niveau vorgestellt und muss nun akzeptieren, dass ich an meine Grenzen stoße. Dennoch kann ich hoffnungsvolle Ansätze erkennen, was meinen Sound betrifft (vielleicht zahlen sich die regelmäßigen Long-Tone-Übungen ja tatsächlich aus, wobei das mit dem Sound auch immer so ein auf und ab ist…) Mein harmonisches Verständnis hat sich auch weiterentwickelt. Zumindest hatte ich vorher keine Idee davon und es erst recht nicht praktiziert, dass ich einen Dominantseptim-Akkord statt nur mit der mixolydischen auch z.B. mit der alterierten, harmonisch alterierten oder HTGT-Skale beantworten kann.

Lehrer: mit oder ohne? Ich möchte nicht ausschließen, dass jemand auch ohne Lehrer ein Instrument erlernen kann. Für mich persönlich ist ein guter Lehrer allerdings ohne Alternative. Nach wie vor ist es für mich einfacher mich zum Üben zu motivieren, wenn ich mit meinem Lehrer Ziele für die nächste Stunde vereinbart habe. Erst recht die Rückmeldung und direkte Interaktion mit dem Lehrer in der Unterrichtsstunde ist m.E. durch nichts zu ersetzen. Ich hoffe, dass ich den Unterricht noch eine Weile so fortsetzen kann.

Was mir jetzt wirklich fehlt ist Praxis, denn ich spiele bisher nur so vor mich hin. Ich sollte mich um den Anschluss an eine Band bemühen. Schön wäre eine Funk- oder Fusion-Band…

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