Im Wechsel der Akkorde
Donnerstag, 22. August 2013

Zoom H6 – der erste Eindruck

Ich gebe zu: ich hätte den nagelneuen Zoom H6 Audiorecorder nicht zwingend gebraucht, sondern wäre durchaus mit meinem bisherigen Zoom H4n weiterhin gut zurecht gekommen. Da meine Neugier aber sehr groß war, ist der Zoom H4n bereits verkauft und der Zoom H6 schon ausgepackt.
Nachfolgend möchte ich meinen ersten Eindruck zum Zoom H6 schildern. Weiteres folgt später, wenn ich mich ausführlicher mit dem Gerät beschäftigt habe.

Lieferumfang

Zuerst habe ich aus der Pappschachtel die Tüte mit der „Literatur“ geangelt. Es gibt jeweils eine gedruckte englische, französische und deutsche Bedienungsanleitung – sehr schön. Durch die Separation ist die Bedienungsanleitung in der Sprache der Wahl mit 103 Seiten auch nicht zu dick geraten.
Mitgeliefert wird auch eine Installations-CD für Steinbergs Cubase LE in der Version 6.

Dann hole ich einen schwarzen Plastekoffer (Maße ca. 25,5 cm x 20 cm x 5,5 cm) aus der Schachtel. Dieser heißt in der deutschen Bedienungsanleitung „Schutzcase“ und beinhaltet den H6 und alles weitere Zubehör. Somit ist alles geordnet untergebracht – das gefällt mir sehr gut. Beim H4n gab es auch ein Schutzcase, aber das Zubehör hatte darin keinen Platz gefunden.

In dem Plastekoffer befindet sich also der H6, die Aufsätze mit XY- und MS-Mikrofon, ein Windschutz aus Schaumstoff, ein USB-Kabel und 4 AA-Batterien – alles jeweils in Plastetüten eingepackt. Außerdem wird noch eine 2GB-micro-SD-Karte mit SD-Adapter mitgeliefert. Die Lösung mit micro-SD-Karte und Adapter gefällt mir nicht sonderlich, aber für den Anfang wird es reichen.

Dem H6 und seinem Zubehör haftet anfangs ein geringer chemischer Geruch an – da habe ich schon schlimmeres erlebt.

Rundgang

Der Zoom H6 macht auf mich beim ersten in die Hand nehmen und Betrachten einen sehr wertigen Eindruck. Hier findet sich auch wieder die gummierte Gehäuseoberfläche, wie ich sie bereits vom H4n kenne. Sie soll sicher die Handhabungsgeräusche dämpfen, was bei den Mikrofonaufsätzen aber wahrscheinlich nur mäßigen Erfolg haben dürfte, da sie aufgesteckt ja mit dem Gehäuse verbunden sind und so der Schall übertragen wird.

Der wertige Eindruck kommt zu einem guten Teil durch die aus gebürstetem Aluminium bestehende Oberfläche zu Stande, in die die Bedientasten eingelassen sind. Record-, Stop- und Play/Pause-Tasten sind angenehm groß ausgelegt und erleichtern so die Bedienung. Darunter sind die Tasten Vor- und Rückspulen angeordnet. Jede Spur (L, R, 1, 2, 3 und 4) hat eine eigene Track-Taste, mit der sie zur Aufnahme scharfgeschaltet werden kann. Man muss übrigens nicht mehr umständlich einen anderen Modus wählen, wenn man mehr als zwei Spuren aufnehmen möchte.

An der linken und rechten Gehäuseseite finden sich je zwei XLR/TRS-Kombi-Buchsen (Eingänge 1 – 4), die jeweils über einen eigenen 20dB-Pad-Schalter verfügen. Damit lassen sich nun auch Line-Signale (+4dB) problemlos verarbeiten. Die Ausstattung mit stufenlosen Drehreglern für den Eingangspegel pro Kanal sind aus meiner Sicht ein Volltreffer und die Zeiten der umständlichen Plus-Minus-Wippe vorbei. Je Kanal kann individuell eine Phantomspeisung (+12/+24/+48 V) eingeschaltet werden (über Menü).

Auf der linken Gehäuseseite findet sich noch der SD-Karten-Slot, der Ein-/Aus-Schalter mit Hold-Position, eine 3,5-mm-Kopfhörerbuchse (Mini-Stereo) und die zugehörige Lautstärkeregelung mit Plus-Minus-Wippe.
Rechts findet sich die USB-Buchse, die Menü- und die Scrolltaste. Die Scrolltaste ist so eine Wippenkonstruktion (oben, unten) zur Wertänderung und einem Druckpunkt zur Bestätigung – Fehlbedienung wahrscheinlich.

Auf der Rückseite findet sich der Batterieschacht (vier AA-Zellen werden benötigt, Akkus funktionieren auch), eine Stativgewindebuchse und zum Glück auch wieder der kleine Monitorlautsprecher, den ich schon am H4n sehr hilfreich fand.

Dann gibt es da natürlich noch das neue Farbdisplay (laut Bedienungsanleitung 2″-Vollfarben-LCD) mit einer Auflösung von 320 mal 240 Punkten. Auf den ersten Blick würde ich es mal als gelungen bezeichnen, auch wenn ich das Gerät bei der Bedienung automatisch näher ans Auge hole. Für die dargestellte Informationsdichte ist es etwas klein.

Unterhalb des Displays findet sich ein Line-Ausgang in 3,5-mm-Buchse (Mini-Stereo, -10dBu) und der Anschluss für die optional erhältliche, kabelgebundene Fernbedienung. Zwei im Gehäuse eingelassene Ösen bieten die Möglichkeit das Gerät irgendwo festzubinden.

Genau gegenüber (an der Stirnseite sozusagen) befindet sich letztlich der Anschlussport für die austauschbaren Mikrofonkapseln – eine der auffälligsten Neuerungen des H6. Mitgeliefert werden schon mal zwei Mikrofon-Aufsätze:

Eine (echte) XY-Konfiguration, die ja als feste Ausstattung auch am H4n vorhanden war und an der es auch wieder die Mini-Stereobuchse mit Plug-In-Power für entsprechende Mikrofone oder Line-In (alternativ zu den eingebauten Kapseln) gibt. Die Kapseln sollen laut Hersteller neu entwickelte Großmembranen (14,6 mm) sein.

Die Mikrofon-Charakteristik ist in der Bedienungsanleitung mit Kugel angegeben. Das wundert mich etwas: ich dachte, für eine Intensitätsstereophonie bei XY-Konfiguration bräuchte man zwei gleiche Gradienten (z.B. Niere). Egal, beim H4n fand sich diese Angabe (Kugel) auch schon und es hat dennoch funktioniert. Der maximale Schalldruck ist mit 136 dB SPL angegeben. Der Eingangspegel kann mit einem Drehregler für beide Kanäle gemeinsam eingestellt werden.

Der zweite Mikrofonaufsatz ist eine Mitte-Seite-Konfiguration – die Mikrofoncharakteristik demzufolge Kugel und Acht. Der maximale Schalldruckpegel beträgt hier 120 dB SPL (für die Kugel, und 122 dB SPL für die Acht). Auch hier wird der Eingangspegel mit einem gemeinsamen Drehregler für beide Kanäle eingestellt. Auf das Experimentieren mit diesem Aufsatz freue ich mich schon sehr.

Mit eingelegten Akkus und dem XY-Mikrofonaufsatz kommt das Gerät auf ein Gewicht von 534g. Das ist bestimmt noch „handheld“ aber nicht mehr „pocket“.

Neue Funktionen (im Vergleich zum H4n)

Der Zoom H6 ist ein Audiorecorder, der sechs (Mono-) Audiospuren simultan aufnehmen kann. Wer das nicht benötigt, findet sicher preiswertere Geräte am Markt. Daneben bietet er vor allem eine große Flexibilität und Anschlußvielfalt, die m.E. bisher von keinem anderen Gerät geboten wird. Interessant ist dabei natürlich auch das optionale Zubehör, z.B. der Aufsatz mit zwei zusätzlichen XLR/TRS-Kombi-Buchsen statt Mikrofonen (EXH-6).

Hilfreich finde ich auch, dass bei Aufnahmen mit den Mikrofonaufsätzen (Kanäle L und R) das Signal parallel mit um 12 dB reduziertem Pegel auf zusätzlichen Spuren aufgezeichnet werden kann – die Versicherung, falls es doch mal klippt. Oder die unkomplizierte Konfiguration der Spuren als eine Stereo- oder zwei Monospuren: einfach durch gleichzeitiges drücken der entsprechenden Track-Taster (1 und 2, 3 und 4 sowie L und R solange kein Stereomikrofon angeschlossen ist) – die im Display angezeigten Levelmeter werden prompt umgebaut.

Fazit

Mein erster Eindruck vom Zoom H6 fällt rundum positiv aus. Das Gerät macht optisch und haptisch einen wertigen Eindruck. Es scheint, als habe Zoom das Konzept „Handy Recorder“ voll ausgereizt – zumindest aber mutig weiterentwickelt – und sich dabei der Nutzerwünsche angenommen.

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Reaktionen zu “Zoom H6 – der erste Eindruck” (6)

  1. Vielen Dank für deinen ausführlichen Beitrag.
    Ich liebäugele schon seit ein paar Wochen mit dieser Version, benötige die simultane Aufnahmefunktion eigentlich nicht.
    Mal schauen.
    Viele Grüße,
    Khema

  2. Horst Peters

    Habe den Zoom H6 Rekorder gekauft. Erste Arbeit mit dem H6. Ich habe für einen Übungsabend ein Schwedisches Lied aus Youtube mit dem iPad3 „Kopfhörerausgang und Line In“ am Zoom H6 aufgenommen, auf dem PC mit „Magix Cleanic Lab 2013“ nur Anfang und Ende gekürzt und auf CD gebrand. Ergebnis super einfach!!! Übrigens die CD wird nicht vervielfältigt und nicht weiter gegeben.
    Ich bin sehr zufrieden mit dem Zoom H6 kann das Gerät empfehlen.
    Gruß Horst Chorsänger

  3. Marcus Wolscho

    Hat sich die Start-Zeit gegenüber dem H4n reduziert und ist das „non SD-Card“ Problem mit dem weichen Deckel des SD-Karten Schachtes gelöst?

    Ich nehme an 4 Akkus lösen auf jeden Fall die kurze Laufzeit bei Phantomspeisung?

    Brummt das mitgelieferete Netzteil noch oder sind die 5V Versorgung und der 3.5mm Eingang jetzt endlich galvanisch entkoppelt?

  4. Hi, hab gerade mein H6 von Amazon bekommen und finde 1. keine deutsche Bedienungsanleitung und 2. auch im Menü nur die englische oder irgendeine asiatische Sprache.

    Ist das mit der Sprache bei euch auch so?

    Danke

    Grüße

    Sascha

  5. @Sascha
    Ja, ist bei mir auch so.
    Beste Grüße

  6. Mhh, ist ja…

    Naja, wenigstens habe ich inzwischen eine deutsche Bedienungsanleitung zum download gefunden.

    DANKE

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