Im Wechsel der Akkorde
Mittwoch, 16. Mai 2012

angetestet: Fiberreed Carbon Classic (Reeds)

Relativ neu von Fiberreed gibt es jetzt neben dem Ur-Carbon-Blatt das Carbon Classic.

Die Fiberreed -Blätter sind generell aus einem weißen Hohlfaserwerkstoff (Hollowfiber Foamresin Compound) gefertigt. Bei den Carbon-Blättern wurde zusätzlich jede zweite Schicht der weißen Hohlfasern durch eine Schicht Hochmodul-Kohlefaser ersetzt (Unterschiede). Herr Hartmann beschreibt das Carbon-Classic-Blatt so:

High-Tech Kohlefaser mit Hohlfasern und einem steileren Schnitt bringen eine Verbindung von vollem Sound, schneller Ansprache und rundem, dunkleren Klang.

Leider habe ich das „normale“ Carbon noch nicht gespielt, so dass ich die Blätter nicht vergleichen und auch nichts zu den Unterschieden sagen kann.

Aber über das Carbon Classic konnte ich mir auf dem Tenorsaxophon innerhalb einer guten Woche eine Meinung bilden. Zunächst ist die Zebra-Optik dieses Blattes in meinen Augen ein klares Plus und ein selbstbewusstes Statement. Mir gefällts jedenfalls.
Die nicht ganz glatte Oberfläche und das (gegenüber einem Blatt aus Rohrholz) höhere Gewicht fühlen sich im ersten Moment an wie Keramik. An der Handhabung des Blattes ist nichts außergewöhnliches. (Außer, dass ich mit Kunststoffblättern generell noch vorsichtiger umgehe, da eine beschädigte Blattspitze einen größeren finanziellen Schaden nach sich zieht als bei einem Holzblatt).

Die Stärke des Blattes habe ich nach der auf Fiberreed verlinkten Vergleichstabelle bei Mike Duchstein für mich mit MS (Medium Soft) bestimmt, was etwa einer mehrheitsfähigen Stärke 2 entspricht. Die Angaben waren zumindest in meinem Fall zutreffend. Wenn es möglich gewesen wäre, hätte ich lieber eine Zwischengröße zwischen MS (2) und M (2,5) bestellt.
Herr Hartmann weist allerdings darauf hin, dass sich die Fiberreed-Blätter ähnlich denen aus Rohrholz bearbeiten lassen.

Den ersten Anspielversuch habe ich auf meinem Jody Jazz DV Chicago 7* Mundstück unternommen. Dafür war mir das Blatt wie erwartet ein bisschen zu leicht. Außerdem klang es sehr brutal, weil es im Vergleich zu anderen Blättern eine höhere Lautstärke und unverzögert knallige Ansprache bot. Das Spielen ging nun so leicht, dass ich überhaupt keinen Blaswiderstand mehr gespürt habe. Zumindest mal sehr gewöhnungsbedürftig.

Besser hat es da schon mit meinem Lebayle LR 8 Mundstück funktioniert. Die Stärke des Blattes passt hier für mich genau. Ich hatte damit eine leichte und exakte Ansprache und eine sehr gute Dynamik, sehr schön. Allerdings habe ich die Ausrichtung des Blattes überhaupt nicht als klassisch sondern mindestens als jatzig, wenn nicht gar als rockig empfunden. Es ist mir zumindest nicht gelungen, ein klassisches Stück mit angemessenem Ton zu spielen. Vielleicht fehlt mir doch noch etwas Umgewöhnungszeit.

Die Beurteilung des Klanges ist für mich immer etwas kompliziert. In meiner Audio-Kabine bekomme ich auf Grund der sehr trockenen Akustik keine verlässliche Rückmeldung. Außerdem ist das, was ich als Spieler höre, immer noch etwas ganz anderes, als das, was beim Zuhörer ankommt. Ich probiere daher gern in unterschiedlichen Räumen und bitte wenn möglich um die Meinung anderer. So habe ich zum Einen im Konservatorium Cottbus feststellen können, dass es sehr kraftvoll im solistischen Bereich wirkt. Andererseits hat es im Satz unseres Saxophonquartetts überhaupt nicht funktioniert.

Im direkten Vergleich zum Légère Studio Cut empfand ich das Carbon Classic als zu knallig, aber mit leichterer und ultraschneller Ansprache.

Fazit: Ein High-Tech-Blatt mit cooler Optik und spieltechnisch sehr guten Eigenschaften, das aber für meine persönliche Soundvorstellung nicht vollständig passt.

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