Im Wechsel der Akkorde
Montag, 26. Januar 2009

und Tschüss, Zoom H4!

Nun, denn: Es war nicht gerade Liebe auf den ersten Blick, wie ich in And the winner is: Zoom H4 schon angedeutet hatte. Aber die Vernunft soll über das Gefühl triumphieren, wie es einem Manne in meinem Alter geziemt, oder? Also aus- und angepackt den Zoom H4 (wirst schon sehen, Gefühl).

Das erste, was man beim Auspacken und in die Hand nehmen von einem Gerät erfährt ist so ein subjektiver Eindruck von der Wertigkeit durch die Oberflächen, das Gewicht, die Passungen von Gehäuseteilen, die Erreichbarkeit und die Rückkopplung von Bedienelementen, usw. Irgendwie war das im Falle des H4 für mich bereits eine große Enttäuschung. In besonderem Maße hat dazu die Menu-Taste beigetragen, die auch als 4-Wege-Schaltwippe fungiert. So einen watteweichen Wackelschwanz hatte ich bisher noch nicht erlebt. Andere Knöpfe fand ich recht klein und fummelig. Die heute verarbeiteten Kunststoffe können sehr vielfältige Eigenschaften und Oberflächen haben – man braucht sich nur mal die im Innenraum von Automobilen (unterschiedlicher Klassen) eingesetzten Materialien ansehen. Das Gehäuse des H4 hinterlässt bei mir einen ausgesprochen billigen Eindruck. Die Größe und die Abmaße des Gerätes fand ich hingegen gelungen. Von mir aus muss so ein Handyrecorder nicht kleiner sein, auch wenn es wohl keine so großen Handys mehr gibt.

Also Batterien und die mitgelieferte SD-Karte rein und einschalten. Huch, ist das Display aber niedlich. Solange es beleuchtet wird, kann man es gut ablesen. Ohne Beleuchtung hingegen in den seltensten Fällen. Das Display ist aber auch wirklich arg klein geraten.
Beim Ausprobieren der Aufnahmefunktion mit den eingebauten Mikrofonen und dem Abhören bzw. Monitoring über Kopfhörer (AKG K271) fiel mir ein recht hoher Rauschpegel auf. Daran änderten auch verschiedene Modi (MP3, 44,1 und 96 kHz) nichts. Das Rauschen ließ sich aber durch gefühlvolles Einpegeln auf ein erträgliches Maß reduzieren. Der Klang war jetzt nicht unbedingt sehr natürlich – vielleicht ein bisschen Höhenarm – aber z.B. menschliche Stimmen wurden sehr klar und plastisch aufgezeichnet. Insgesamt geht die Audioqualität für mich in Ordnung.

Danach habe ich meine E-Gitarre angeschlossen und zunächst mit dem im H4 eingebauten Tuner gestimmt. Den Tuner kann ich wirklich nur als Dreingabe bezeichnen. Er ist mir für einen hauptamtlichen Tuner (denn genau dazu wollte ich den H4 u.a. nutzen) mit den 9 Segmenten zu ungenau. Von der umständlichen Umschaltung jeder einzelnen zu stimmenden Gitarrensaite mal ganz abgesehen.
Dann habe ich die verschiedenen Amp-Modelle des H4 für E-Gitarren ausprobiert. Ich kenne als Vergleich bisher nur den Korg Ampworks, aber der macht eindeutig mehr Spaß. Von den angebotenen Programmen des H4 hat mich keines vom Hocker gehauen.

Als nächstes habe ich mir die Verbindung mit dem Computer vorgenommen, wobei der H4 wahlweise als Laufwerk (SD-Kartenlesegerät) oder als Soundkarte angemeldet werden kann. Beide Modi haben sofort und ohne Mätzchen unter XP funktioniert (keine Treiberinstallation erforderlich), sehr schön. Zu den erreichbaren Minimal-Latenzen, die insbesondere für in Echtzeit gespielte Softwareinstrumente interessant sind, habe ich aber keine Versuche angestellt.

Bereits jetzt musste ich genervt konstatieren, dass das Bedienkonzept, welches einen häufigen Wechsel zwischen Menu-Knopf und Jog-Datenrad erfordert, für meinen Geschmack eine einzige Katastrophe darstellt. Das hat mir letztlich auch den Spaß an dem Gerät verdorben, so dass ich einen Außeneinsatz gar nicht erst in Angriff genommen habe. Ich habe es statt dessen wieder eingepackt und überlegt. Ist das mein Gerät, mit dem ich in den nächsten Jahren herumlaufen möchte? Nach Abwägung des Für und Wider habe ich mich für die Rückgabe des Gerätes entschieden. Natürlich verzichtete ich dann auch auf das Sezieren und somit gibt es keine Fotos von den Innereien (sorry, Ingo).

Was war nun eigentlich schiefgelaufen? Waren meine Erwartungen, insbesondere an ein Gerät zu diesem Preis, zu hoch angesetzt? Mag sein, ich weiß es nicht. Ich kann nur sagen, dass ich – wenn ich das Gerät in die Hand nehme – keine Freude empfinde. Manchmal passt es einfach nicht. Also noch mal ganz zurück zum Anfang…

Summa Summarum

Die Ausstattung des Zoom H4 (XLR/Klinke-Eingänge, 48V Phantomspeisung, wechselbare AA-Batterien/Akkus, Gitarren-PreAmp/Modeler, 4-Spur-Recorder, Audio-Interface, Tuner, Metronom, Lieferumfang) finde ich große Klasse, die Audio-Aufnahmequalität der eingebauten Mikrofone geht in Ordnung, das Display empfinde ich als Herausforderung, die qualitative Umsetzung einiger Funktionen finde ich unbefriedigend, die Anmutung wirkt für mich billig, die Bedienung ist eine Katastrophe, für mich ist es nicht das richtige Gerät.

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Reaktionen zu “und Tschüss, Zoom H4!” (6)

  1. Hmmm, ist also eher eine Enttäuschung gewesen.

    Ich hatte ja damals auch über den Zoom H4 nachgedacht, da war er allerdings noch nicht für unter 300 Euro zu bekommen. Was mich am ehesten gereizt hatte, ist die Möglichkeit richtige Mikrofone anschließen zu können. Effekte und Gitarren-Amp-Simulation haben mich wiederum nicht angesprochen, ein für mich unnützes Gimmick, was ich dann mitbezahlt hätte.

    Naja, letztendlich haben für mich die Kompaktheit und der günstige Preis des H2 den Ausschlag gegeben, und die flexible Mikrofonkonfiguration. Der Eindruck von Wertigkeit ist allerdings beim H2 ebenso nicht gegeben. Auch die Bedienung mit den Folientasten und dem kleinen (vermutlich gleichgroßen wie beim H4) Display ist nicht der Weisheit letzter Schluß. Aber letzendlich konfiguriere ich auch selten etwas um, ich habe quasi Standardeinstellungen, die bisher für die meisten Aufnahmen passen. So muß ich mich selten in das Menü begeben. Zwar werden auch die Hautpfunktionen Aufnahme/Start/Stop/Pause über diese Folientasten bedient, aber nach ein paar Versuchen, wenn man das Gefühl für den Druckpunkt hat, kommt man gut damit zurecht.

    Das es nun keine Bilder von den Innereien gibt, kann ich verschmerzen :-)

  2. Tja, ich bin noch ein bisschen hin- und hergerissen. Auf dem Papier hat der Zoom H4 alles was ich brauche und ich habe auch kein anderes (preislich vergleichbares) Gerät gefunden, das da mithält. Von daher weiss ich noch nicht, wie ich hier weiterkomme. Ich muss die Sache noch mal von Grund auf durchdenken. Evtl. ohne Preisobergrenze. Auf jeden Fall muss in diesem Jahr so ein Ding her…

  3. Das Jahr hat grad erst angefangen, da hast Du noch etwas Zeit, vielleicht kommt ja noch das ultimative Gerät auf den Markt.

  4. Nach einem Monat wird es Zeit zu schauen, was sich auf dem Markt der mobilen Recorder getan hat (das Jahr ist schnell rum…). Tascam hat mit dem für mich interessanten DR-100 (weil u.a. mit XLR-Eingängen und 48V Phantomspeisung) nachgelegt, der voraussichtlich Ende März 2009 erhältlich sein soll (ca. 430,- €). Der Nachfolger des H4, der Zoom H4n (oder Zoom H-4 N) scheint nach den bisherigen Informationen an allen für mich erkennbaren Schwachpunkten (Bedienung, Gehäuse, Display) verbessert worden zu sein. Er soll wohl (auf Nachfrage per EMail an den deutschen Vertriebspartner Sound Service in Berlin) zur Musikmesse (also Anfang April 2009) in Europa ausgeliefert werden (ca. 330,- €). Es bleibt also spannend…

  5. Wie es aussieht, scheint der Zoom H4n seit gestern in den Vereinigten Staaten (von Amerika) ausgeliefert zu werden.

  6. Anfang März hat Zoom für den H4 (V2.30) und den H2 (v1.50) neue Systemversionen bereitgestellt, die ein Problem mit Mac OS X v10.5.6 beheben („Fixed the problem that USB audio interface function doesn’t work for Mac OS X v10.5.6.“). Ausserdem sind die ersten Updates für das neue Zoom H4n (v1.10 und v1.20) erhältlich. [Quelle: http://www.zoom.co.jp ]

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