angetestet 3. Teil: Roland GW-7
Effekte
“Der GW-7 besitzt drei Effektblöcke: Reverb, Chorus und Multi-Effekte (MFX).” weiss die Bedienungsanleitung zu berichten. Allerdings steht auch in der Bedienungsanleitung, dass der Chorus-Effekt nur nutzbar ist, wenn der MFX-Block deaktiviert ist. Wozu also 3 Effekte, wenn doch nur 2 gleichzeitig nutzbar sind? Neben dem Marketing-Aspekt (drei Effektblöcke!) könnte die Antwort im Effekt-Routing zu finden sein. Darüber liest man in der Bedienungsanleitung jedoch nichts. Reverb und Chorus scheinen globale Send-Effekte zu sein, die von allen Parts per Send-Volume genutzt werden können. Die Effekt-Summe wird der Keyboardsumme zugemischt. Dem gegenüber ist wohl der MFX als Insert-Effekt realisiert, der nur einem Part (und zwar dem Haupt-/Keyboard-Part) zur Verfügung steht. Was auch nicht in der Bedienungsanleitung steht ist die Tatsache, dass diese Einschränkung (Chorus nur nutzbar wenn MFX ausgeschaltet ist) für einen Tone (oder besser Part) gilt.
Interessant ist die Sache immer dann, wenn außer dem Haupt-/Keyboard-Part noch andere Parts genutzt werden: zum Beispiel im DUAL-Mode, im SPLIT-Mode oder im SONG-Mode. Dann kann man nämlich den Haupt-/Keyboard Part mit Reverb und MFX nutzen und (einen) andere(n) Part(s) mit Reverb und Chorus. Natürlich kann zeitgleich nur ein Reverb-Type und ein Chorus-Type eingestellt sein. Damit sind aber in Summe wieder drei Effektblöcke gleichzeitig aktiv. Aha.
Direkt kann man zwei Parameter (für einen/den aktiven Part) über die C1- und C2-Regler auf der Bedienoberfläche steuern: Reverb-Send und Chorus-Send. Indirekt (über das Menü EFFECTS) kann man noch weitere Parameter einstellen. Alle Effekt-Parameter sind im EFFECTS-Menü zusammengefasst. Sie werden aber in unterschiedlichen Situationen mit abgespeichert. Das hat mich anfangs eher verwirrt. Ich habe dann für mich mal folgende Übersicht entwickelt, welche Parameter in welchen Modes gespeichert werden:
global
- Tone MFX (on/off, bestimmt ob der MFX beim Wechsel des Tones verändert wird)
Tone
- MFX (off, Type)
- Cho Main (Send-Volume des Haupt-/Keyboardpart für Chorus-Effekt)
- Rev Main (Send-Volume des Haupt-/Keyboardpart für Reverb-Effekt)
Performance
- Chorus (off, Type)
- Cho Dual (Send-Volume des zweiten Tone im Dual-Mode für Chorus-Effekt)
- Cho Split (Send-Volume des Lower Part im Split-Mode für Chorus-Effekt)
- Reverb (off, Type)
- Rev Dual (Send-Volume des zweiten Tone im Dual-Mode für Reverb-Effekt)
- Rev Split (Send-Volume des Lower Part im Split-Mode für Reverb-Effekt)
Nicht überraschen kann hingegen, dass der Reverb-Effekt verschiedene Reverbs (Room 1-3, Hall 1-2, Plate, Delay, Pan Delay) und der Chorus verschiedene Chorüsse (Chorus 1-4, Feedback Chorus, Flanger, Short Delay, Short Delay Feedback) bereitstellt. Die MFX-Liste ist da etwas länger (47 Typen). Neben verschiedenen Einzeleffekten (Enhancer, Overdrive, Distortion, Phaser, Auto Wah, Rotary, Flanger, Compressor, Limiter, Chorus, Tremolo, Delay, Gate, Pitch) gibt es ein paar in Reihe (z.B. Overdrive -> Delay) und parallel (z.B. Chorus und Flanger) geschalteter Kombinationseffekte.
Die Klangqualität der Effekte würde ich als durch die Bank brauchbar einschätzen. Trotz der stark eingeschränkten Parametrierbarkeit der Effekte stellen sie keine Schwachstelle für das GW-7 dar.
D Beam Controller
Der D Beam Controller ist eine Einrichtung von nebeneinander angeordnetem Infrarot-Sender und Empfänger, der auf das Umlenken (also die Reflektion) des Infrarotstrahls zum Empfänger (zum Beispiel durch eine darüber gehaltene Hand) reagiert. Das funktioniert auch in unterschiedlicher Stärke - also bezogen auf die empfangene Lichtmenge.
Die durch den D Beam Controller ausgelösten Ereignisse sind zwei Assignable-Tastern zuweisbar, von denen immer nur einer aktiv sein kann. Sind beide Taster deaktiviert (leuchten nicht) ist der Controller ausgeschaltet. Als zuweisbare Ereignisse stehen eine Reihe von fragwürdigen Geräuschen (Trommelwirbel, Blubberblasen, Wasserfall, Explosion, Pistolenschuss, Schrei, Vogelgezwitscher, Hundegebell, Lachen, Beifall u.ä.) zur Verfügung. Es können aber auch Modulation (identisch mit Modulationshebel), Bend Up/Down (Tonhöhenmodulation), Expression (identisch mit Expression-Pedal, also letztlich die Lautstärke), Fill (identisch mit Fill-Taster) und Fade out (Lautstärke geht gegen null) zugewiesen werden. Die Spieleffekte (z.B. Trommelwirbel) können in einem Song nicht aufgezeichnet werden. Andere Ereignisse, die selbst auf MIDI-Parameter wirken, werden aufgezeichnet und auch über MIDI ausgegeben. Nettes Spielzeug.
siehe auch:
• Komponierhilfe gesucht…
• angetestet: Roland GW-7
• angetestet 2. Teil: Roland GW-7
Akkordwechsel