Im Wechsel der Akkorde
Montag, 01. Dezember 2008

angetestet 2. Teil: Roland GW-7

Backing

GW-7Die Begleitautomatik wird beim GW-7 als Backing bezeichnet. Meinetwegen; immer noch einfacher als Accompaniment. Was die virtuelle Band hierbei spielen soll ist in einem Style abgelegt. Von diesen Styles hat das GW-7 immerhin 110 verschiedene fest eingebaut (Preset Styles). Weitere Styles (stl-Format) können über USB auf das GW-7 übertragen werden. Sie sind (nach interner Konvertierung) dann als User-Styles aufrufbar. Das mit jedem Style voreingestellte Tempo kann verändert werden. Beim Aktivieren des Backing Track wird die Tastatur geteilt (bei C4) – auf der linken Seite gibt man der Begleitautomatik dann die Akkorde vor und auf der rechten Seite spielt man den Solopart (mit dem gewählten Tone).
Für die Akkorderkennung gibt es laut Bedienungsanleitung nun drei verschiedene Möglichkeiten, die über das Menu (Chord Mode) einstellbar sind. Bei der ersten Möglichkeit (Chord Mode off) wird der Akkord exakt aus den gespielten Noten gebildet. Hier gibt es bei der Akkordbildung keine Einschränkungen.
Im Mode 1 wird die Roland Chord Intelligence angewandt. Dazu gibt es eine Übersicht in der Bedienungsanleitung. GW-7 Akkord-DisplayAngefangen von Dur-Akkorden, die mit dem Grundton erzeugt werden können (Note C = C-Dur), über Dur-Akkorde mit Septime oder großer Septime, verminderten Dur-Akkorden und Moll-Akkorden die mit dem Grundton und einer weiteren Note gegriffen werden können (Noten C und Bb = C7, Noten C und B = CM7, Noten C und Gb = Cdim, Noten C und A = Cm) bis zu Moll-Akkorden mit Septime oder großer Septime die mit dem Grundton und zwei weiteren Noten erzeugt werden (Noten C und Eb und Bb = Cm7, Noten C und Eb und B = CmM7) ist hier einiges möglich. Weitere Akkorde werden einfach im Original gegriffen (Noten C, F, G, Bb = C7sus4).
Mode 2 ist m.E. die zu anderen Begleitautomatiken kompatible Variante mit Einschränkungen für erweiterte Akkorde. So kenne ich das jedenfalls noch von einem uralten Bontempi-Keyboard und bei meinem ersten Yamaha-Keyboard war es auch so. Das funktioniert kurz gesagt so: Dur-Akkorde werden durch den Grundton gespielt (Note C = C-Dur), Moll-Akkorde werden durch den Grundton plus der schwarzen Taste links daneben gebildet (Noten C und Bb = C-Moll), Dur-Akkorde mit Septime kann man mit dem Grundton und der weißen Taste links daneben erzeugen (Noten C und B = C7), Moll-Akkorde mit Septime werden durch den Grundton plus der schwarzen und der weißen Taste links daneben erreicht (Noten C und B und Bb = Cm7). Mehr geht hier nicht.

Für die Begleitung gibt es unterschiedliche Muster oder Phrasen: Intro (Einleitung), Original (z.B. Strophe), Fill In (welches von Original zu Variation überleitet und umgekehrt), Variation (z.B. Refrain) und Ending (Schlussphrase). Hier haben andere Keyboards oft deutlich mehr zu bieten indem für jedes Muster mehrere Alternativen bereitgestellt werden. Das wäre sicher für den ambitionierten Entertainer (der ich nicht bin) auch unverzichtbar. Ein wenig darüber hinweg tröstet dabei die Möglichkeit, die Begleitband auf Knopfdruck „auszudünnen“. Das erledigt man durch die Wahl des BAND TYPE. Standardeinstellung ist FULL, weniger ist COMBO, noch weniger ist DRUMS & BASS. Dieses Feature gefällt mir doch sehr.
Nachfolgend ein paar Beispiele, damit ihr einen Eindruck davon bekommt. Zu hören ist nur die Begleitautomatik in der jeweiligen Einstellung. Ich habe immer mit dem Intro begonnen, ein paar Takte mit der Original-Phrase gespielt, mit dem Fill In zur Variation übergeleitet und letztlich mit dem Ending aufgehört.

Preset Style ElecRock:
Demo Roland GW-7 Style ElecRock Drums and Bass Band Type: Drums & Bass
Demo Roland GW-7 Style ElecRock Combo Band Type: Combo
Demo Roland GW-7 Style ElecRock Full Band Type: Full

Preset Style Hip ‘n Hop:
Demo Roland GW-7 Style HipnHop Drums and Bass Band Type: Drums & Bass
Demo Roland GW-7 Style HipnHop Combo Band Type: Combo
Demo Roland GW-7 Style HipnHop Full Band Type: Full

Die Preset-Styles empfinde ich schon mal als sehr vielseitig und oft auch als brauchbar. Interessant und wichtig ist auch die Möglichkeit User-Styles nachladen zu können. Im Lieferumfang des Keyboards enthalten ist ein Style-Konverter-Programm, welches SMF-MIDI-Dateien zu Styles konvertiert. Damit werde ich mich noch eingehender in einem späteren Artikel beschäftigen.

Performance

Was beim GW-7 Performance heißt wird andernorts Registrierung genannt, was m.E. zielführender ist. Demnach ist darunter die Speicherung einer kompletten Einstellung des Keyboards zu verstehen. Um genau zu sein werden Style, Band Type, Tempo, Tone, bestimmte Effekteinstellungen, und Keyboard Touch (Velocity On bzw. fester Wert) gespeichert. Wenn man also die Zusammenstellung der genannten Einstellungen zur Zufriedenheit abgeschlossen hat, kann man diese als User-Performance speichern und auf Knopfdruck wieder hervorholen. Unglücklicher Weise wurden dem GW-7 nur 32 Speicherplätze für User-Performances mitgegeben. Und noch unglücklicher: man kann sie auch nicht über USB sichern oder austauschen. Bleibt höchstens die Möglichkeit über MIDI Bulk Dump. Die fest eingebauten 110 Preset-Performances betrachte ich als Anregungen und als solche sind sie es Wert, ausprobiert zu werden.

Die Song-Funktion

Es gibt (wenn man so will) im GW-7 einen Preset-Song – nämlich den Demo-Song. Dieser wird jedoch nicht über den Song-Mode aktiviert, sondern über die Tastenkombination SHIFT + EXIT. Da man dieses Kunstwerk meiner Meinung nach nicht gehört haben muss, will ich kein weiteres Wort darüber verlieren. Ein Song entsteht durch die Aufnahme der in Echtzeit gespielten Noten (einschließlich ggf. laufendem Backing) in einem Sequenzer mit 16 Spuren. Wobei ich mit Echtzeit das eingestellte Tempo meine. Es ist natürlich möglich das Tempo für die Aufnahme langsamer einzustellen um das Einspielen anspruchsvoller Parts zu erleichtern und den Song dann in einem schnelleren Tempo abzuspielen.
Jede Aufnahme landet zunächst im temporären Song (Sng00). Möchte man die Aufnahme für die Nachwelt erhalten, muss diese in einem der 99 User Songs gespeichert werden. Ansonsten ist er beim Ausschalten des Gerätes für immer verloren. Das Laden eines bereits gespeicherten Songs überschreibt die Daten des temporären Songs. Songs können genau wie die Styles über USB vom und zum Rechner übertragen werden. Sie tragen die Dateiendung SMF. Übrigens können auch MIDI-Dateien auf das GW-7 übertragen und abgespielt werden.
Für die Aufnahme gibt es vier Modi: ALL (es wird auf allen Spuren aufgezeichnet, also Backing und Keyboard-Part), KBD (nur der Keyboardpart wird aufgenommen). Diese Modi sind zur Aufnahme eines neuen Songs vorgesehen. Für einen bereits aufgezeichneten Song stehen die Modi SINGLE (Aufnahme bzw. Überschreiben einer wählbaren Spur) und PUNCH (Aufnahme bzw. Überschreiben einer Passage einer wählbaren Spur) zur Weiterentwicklung oder Ausbesserung des Songs bereit. Einen Step-Modus, der die Eingabe von Noten ohne den im Tempo laufenden Sequenzer ermöglicht, gibt es nicht (von einem MIDI-Event-Editor mal ganz abgesehen). Durch das Backing und den Keyboardpart werden nicht alle 16 Spuren belegt. Mindestens die Spuren 12 bis 15 stehen ergänzenden Eigenkreationen zur Verfügung. Im Sequencer werden für das Backing die Noten und nicht nur die Steuerinformationen aufgezeichnet. Ein Indiz dafür ist, dass der Style als auch der Band Type nachträglich nicht mehr änderbar sind. Vielmehr haben die Band Type Taster eine andere Funktion. Mit ihnen können drei (vorbelegbare) Spuren stummgeschaltet werden. Standardmäßig sind das die Spuren 10 (Backing Drums, Taster BRUMS & BASS), 1 (Backing 1, Taster COMBO) und 2 (Backing Bass, Taster FULL). Die Taster für die Anwahl des Backing Musters erfüllen im Song Mode auch eine andere Aufgabe, nämlich Setzen der Marker A und B, Wiederholen des durch die Marker A und B markierten Bereichs, Rücksetzen zum Songanfang, taktweises Rück- und Vorspulen. Diese Funktionen sind mit Song Control unterhalb der Taster beschriftet.
Mit der Weiterverarbeitung der MIDI-Song-Dateien in meiner DAW werde ich mich demnächst beschäftigen und sicher auch etwas dazu schreiben.

Soweit für heute. Demnächst geht es noch um die Effekte und den D Beam Controller sowie die Style-Konvertierung und die Weiterverarbeitung der aufgezeichneten MIDI-Dateien.

siehe auch:
Komponierhilfe gesucht…
angetestet: Roland GW-7
angetestet 3. Teil: Roland GW-7

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Reaktionen zu “angetestet 2. Teil: Roland GW-7” (2)

  1. Hallo

    Ich habe Ihren Bericht gelesen und der hat mir sehr gut gefallen. Kompliment, sehr aufschlußreich, informativ und gut verständlich. ;)

    Ich wollte eigentlich fragen ob Sie den GW7 noch haben und falls ja ob Sie den verkaufen würden? Es ist so schwer einen GW7 noch zu finden egal ob bei uns in Österreich oder in Deutschland …

    LG
    stani

  2. ich wollte euch gerne mal fragen wie kan man die selbs gemachte musik farben auf die piano taste schiben

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