Im Wechsel der Akkorde
Donnerstag, 06. Oktober 2011

Willkommen JodyJazz DV Chicago 7* (MPC)

Nach meinem Versuch mit dem Vandoren V16 T75, das ich wieder zurück gegeben hatte, bat ich den freundlichen Mitarbeiter von Saxophone-Service um alternative Vorschläge für mein zukünftiges Mundstück.
Darunter war auch das JodyJazz DV NY (das bessere Link?), von dem ich bislang noch nichts gehört hatte und das meinen Preisrahmen allerdings deutlich gesprengt hätte. Aber das hat mich interessiert und so habe ich versucht, etwas über die Mundstücke von Jody Espina (JodyJazz) heraus zu bekommen.
Neben dem DV, das als sehr durchsetzungsfähig gilt, und dem DV NY, das wiederum manchem Nutzer zu dunkel klingt, gibt es noch das DV Chicago, das irgendwo dazwischen liegen und die Vorteile beider voran genannter Mundstücke vereinigen soll. Das DV Chicago gibt es bisher nur als Tenor-Mundstück.

Zugegeben: die Botschaften, die Herr Espina auf seiner Homepage und durch die Endorser für dieses Mundstück aussendet und die wahrscheinlich höchsten Marketing-Ansprüchen genügen, haben mich doch nicht unberührt gelassen. Da ist die Rede von einem größeren und fetteren Ton, mühelosem Spiel, saubererer Artikulation, mehr harmonischen Obertönen, Kraft und Projektion, unglaubliches Altissimo, bessere Intonation, usw.
Die Endorser bestätigen all diese Angaben und scheinen die glücklichsten Menschen überhaupt zu sein. Das alles mag oder kann für diese Menschen stimmen – es muss deshalb für mich nicht unbedingt zutreffen.
Oder sollte es möglich sein, dass es ein solch tolles Mundstück tatsächlich gibt? Das wollte ich herausfinden. Meine persönliche Schmerzgrenze für den Preis musste ich dabei deutlich überschreiten, denn dieses Mundstück ist richtig teuer.

Als ich mich nun entschlossen hatte ein 7* Mundstück zu bestellen, sind gerade die letzten zwei DV Chicago 7* bei Saxophon-Service rausgegangen. Wenn es ein 8 geben würde, wäre das meine Wahl gewesen. Aber das nächst offenere ist das 8* und das habe ich mir nicht zugetraut. Also habe ich mich nach einem alternativen Lieferanten umgesehen. Bei PMS gab es sie noch, wo ich eines zur Ansicht und Probe (gegen Vorkasse) bestellt habe. Wenn es bei Herrn Espina nachbestellt werden muss, liegt die Lieferzeit im Moment wohl bei etwa fünf Monaten.

Das Mundstück wird in einer netten Blechdose geliefert. Mit dabei ist auch ein blaues Samtsäckchen und in meinem Fall auch die JodyJazz Ring Ligature.
Ausgepackt, (sicherheitshalber gereinigt,) Blatt drauf und angespielt. Prompt folgte die Ernüchterung: Nein, es spielt nicht von selbst…

Ich habe ungefähr sechs Stunden gebraucht, um mich einigermaßen an das Mundstück zu gewöhnen. Was ich sehr gut nachvollziehen konnte ist der mit „husky“ (in etwa: heiser) beschriebene Sound. Bei lauterem Spiel kommen mehr Obertöne zum Vorschein und an Lautstärke geht einiges.
Das Chicago hat eine sehr eigen gestaltete Rückwand, die ich nicht näher beschreiben kann und daher auf die Bilder verweise.
Was das Mundstück nicht bietet ist dieser zusätzliche Druck in den Höhen, wie er bei Mundstücken mit einer kleinen Stufe erzeugt werden kann.
Dann habe ich plötzlich gemerkt, wie problemlos ich auch sehr leise Töne und mit hauchigem aber präzisem Toneinsatz spielen kann. Und das bei einem wunderschön runden und dunklen Ton.
Was die Intonation angeht, so muss ich weniger ausgleichen als bei meinem Otto Link Super Tonemaster 7* CR. Ich musste mich erst einmal daran gewöhnen, über alle Lagen eher nicht auszugleichen – dann spielt sich das Mundstück gleich viel unbeschwerter.
Ich möchte nicht so weit gehen das Mundstück als empfindlich zu bezeichnen, aber ich muss schon konzentriert spielen. Ohne Zwerchfellspannung geht ein Ton schon mal auf Abwege. Das Mundstück ist zumindest nicht so gutmütig wie mein Link. Dafür setzt es jede Artikulationsänderung rasant und mühelos um.

Erstaunlicher Weise konnte ich fast alle meine Blätter auf dem Mundstück spielen, solange die Stärke halbwegs funktionierte. Die Bahnöffnung fühlt sich nach guten 7* an. Mit den angegebenen 108 tausendstel Zoll liegt sie (verglichen mit Otto Link oder Lawton) auch zwischen 7* und 8. Von daher war ich überrascht, dass auch die stärkeren Blätter, die ich sonst auf meinem Expression 6* Mundstück gespielt habe, ohne weiteres funktionierten.
Ich habe dann auch gemerkt, dass es wohl einen Unterschied macht, ob ich ein neues Blatt nehme oder ein auf einem anderen Mundstück eingespieltes. Das neue (gleiche Sorte, gleiche Stärke) funktionierte immer besser. Vielleicht war es aber auch Zufall…
Besonders gut haben für mich Rigotti Queens 3 und Alexander DC 2,5 funktioniert.

Einige Sachen finde ich nicht so schön: Statt der Vergoldung der anderen Mundstücke der DV-Serie, wurde das Chicago versilbert. Silber neigt dazu anzulaufen. Die Ring Ligature hinterlässt durch das Aufschieben Kratzer(chen) auf dem Mundstück. Es erscheint mir unmöglich, das Mundstück nach einiger Zeit der Nutzung in vorzeigbarem Zustand zu erhalten.

Letztlich habe ich das Mundstück behalten. Es klingt sehr interessant und vielseitig – mit dem Sound bin ich sehr einverstanden. Es spielt sich sehr angenehm und mühelos. Es macht einfach Spaß. Ich habe ganz sicher noch kein besseres Mundstück gespielt.
Ich denke, im Moment kann ich noch nicht alles ausreizen, was das Mundstück bietet. Aber ich freue mich darauf, mich mit diesem Mundstück weiter zu entwickeln.
Die Frage, ob es den Preis wert ist, kann ich nicht wirklich beantworten. Wenn dieser keine Rolle spielt, würde ich eine Anspielempfehlung abgeben. Falls nicht, würde ich dringend davon abraten (Suchtgefahr!).

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Reaktionen zu “Willkommen JodyJazz DV Chicago 7* (MPC)” (eine)

  1. Hallo Frank, ist innen tatsächlich ungewöhnlich gestaltet, das JodyJazz. Werde Deinen Beitrag gleich mal auf http://www.facebook.com/reedguard posten… Gruß Daniel

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