Im Wechsel der Akkorde
Montag, 05. September 2011

angetestet: Vandoren V16 T75 Metall (MPC)

Nun bin ich mit meinem (von Kay Siebold auf Bahn 8 refaced) Otto Link Super Tonemaster Metallmundstück alles andere als unzufrieden. Aber je intensiver ich an der Tongestaltung arbeite, desto häufiger stelle ich mir die Frage, ob es nicht ein noch besseres Werkzeug für mich gibt. Zu einem Metallmundstück gibt es nach meinen bisherigen Erfahrungen für mich keine wirkliche Alternative (auch nicht diese).
Daher hat ein gebrauchtes Vandoren V16 T75 Metallmundstück bei Mike Duchstein mein Interesse gefunden und ich habe es mir zur Ansicht schicken lassen.

Wenn ich mir beide Mundstücke im Vergleich ansehe, scheinen die Kammerformen ähnlich zu sein. Vielleicht ist sie beim Otto Link noch etwas größer und bauchiger – beim Vandoren eher gerade. Die Gegenwände beider Mundstücke sind leicht konvex – beim Vandoren evtl. etwas stärker ausgeprägt. Bei beiden ist keine auffällige Stufe vorhanden. Beide Mundstücke sind aus Bronze gefertigt.
Das Vandoren T75 soll eine Bahnöffnung von ca. 2,64 mm (104/1000 Zoll) haben und würde damit knapp einem 7* bei Otto Link oder 105 bei Berg Larsen entsprechen.
Zu dem gebrauchten Vandoren-Mundstück gab es kein Zubehör. Also musste ich zunächst eine Blattschraube suchen. Das war jedoch schnell erledigt, denn meine Rovner-Blattschraube (Star Series SS-2M), die ich am Otto Link verwende, passte auch hier.
Dann konnte ich es endlich anspielen. Anfangs wollte mir kein wesentlicher Unterschied zu meinem Otto Link STM auffallen. Es klang irgendwie immer nach mir. Erst nach mehrmaligem Austausch der Mundstücke (und vor allem Blattwechsel) und längerem Spielen haben sich mir die vorhandenen Unterschiede offenbart. Die Blattstärke darf für mich übrigens beim Vandoren etwas (ca. 1/4) höher sein, als bei meinem Otto Link.

Die volle Klangfarbe des Tons ist ähnlich, das Vandoren brillanter. Das Vandoren V16 T75 spricht insgesamt eigentlich nicht besser an, schade. Unterschiede sind nur in Verbindung mit der Blattwahl feststellbar. Dennoch hatte ich den Eindruck, bei entsprechenden Phrasen mit dem Vandoren etwas schneller und müheloser unterwegs zu sein. Für einen weichen Toneinsatz muss ich mich hier aber mehr konzentrieren.
In den höheren Lagen ist die Tonbildung beim Vandoren etwas stablier. Dort entwickelt es auch mehr Strahl und es ist hier auch eine höhere Lautstärke möglich, was sich angenehm anfühlt.
Das Gegenteil im untersten Frequenzbereich: leider fehlt dem Vandoren der deutlich sonore, runde Klang des Otto Link STM und die Töne sind etwas mühsamer zum Stehen zu bekommen.
Ich hatte zunächst den Eindruck, dass ich mit dem Vandoren V16 besser intoniere. Das stimmt aber so nicht – die Abweichungen der Problemtöne sind laut Tuner ohne Korrektur sehr vergleichbar und in beiden Fällen ähnlich gut beherrschbar.
Das Otto Link hat die größere Flexibilität in der Klanggestaltung. Mit dem Mundstück kann man wilde Sachen machen, die mit dem Vandoren nicht ohne weiteres gehen. Mir schien es letztlich so, als wenn das Vandoren einen Hang zu schönen Tönen hat und das Otto Link eher ungeschönt alles mitmacht und vielleicht sogar unterstützt, was der Spieler vorgibt. Vielleicht bilde ich mir das aber nur ein…
Das Spielen fordert am Otto Link etwas mehr Kraft (Luft) und Konzentration. Dort ist es ein wirkliches Arbeiten, was aber kein schlechtes Gefühl ist. Wenn der Ansatz zu Ende geht, kann man das am Otto Link hörbar nachvollziehen. Beim Vandoren passiert das etwas später oder es kaschiert diese Situation noch etwas länger.

Fazit: Die Unterschiede sind da. Die Mundstücke klingen ähnlich und dennoch verschieden. Jedes Mundstück hat Stärken aber auch Schwächen. Wenn das Vandoren für mich in der Summe eine Verbesserung darstellt, so spielt sich diese derzeit fast im homöopatischen Bereich ab. Das hat für mich letztlich die Investition nicht gerechtfertigt. Ungeachtet dessen ist das Vandoren V16 T75 für mich ein sehr gutes Mundstück, das toll klingt und sich gut beherrschen lässt.
Kann man nicht ein Mundstück bauen, dass nur alle positiven Eigenschaften der beiden vereint?

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