angetestet: Roland GW-7

Äußerlichkeiten
Am Freitag ist das GW-7 nun angekommen. Gut verpackt hat es den Transport unbeschadet überstanden. Mit 5 kg Gewicht ist das Keyboard ohne weiteres leicht zu transportieren - das kommt mir sehr entgegen. Dem ausgepackten Gerät sieht man an, dass es gerade erst 4 Monate alt ist – kein Kratzer, nichts. Schick ist es auch, finde ich. Aber das ist eher Geschmackssache. Starten wir also zu einem kleinen Rundgang.
Zuallererst: Lautsprecher sucht man hier im Gegensatz zu den meisten Keyboards mit Begleitautomatik vergebens – in meinen Augen bzw. Ohren kein Nachteil. Die 61 Tasten sind eher straff gefedert und für mich gut bespielbar. Die Tastatur ist anschlagdynamisch, hat aber keinen Aftertouch. Die Charakteristik der Anschlagdynamik kann nicht angepasst, nur komplett abgeschaltet werden. Pitch und Modulation sind (Roland-typisch) statt mit separaten Rädern in einem kombinierten Bender/Modulations-Hebel realisiert. Die Bedienung dieses Hebels bedurfte bei mir einer gewissen Gewöhnung, war dann aber gut – allerdings durch die kurzen Wege nicht zu präzise - zu handhaben. Soweit mein Erkenntnisprozess vorangeschritten ist, kann die Modulation (vertikale Achse des Hebels) ausschließlich auf die Tonhöhe (Vibrato) angewendet werden (Ausnahme: wenn als Multieffekt Rotary eingestellt ist, wird auch die simulierte Drehgeschwindigkeit gesteuert) und das ergibt in meinen Ohren meist ein schreckliches Geleier.
Ob und in wie weit der D Beam Controller (links oben im Bedienfeld) diese Situation verbessern kann, werden wir noch sehen. Die größeren Taster des Bedienfeldes kenne ich bereits von anderen Roland-Geräten. Sie vermitteln beim Betätigen einen wertigen Eindruck. Das VALUE-Rad fällt da etwas ab, funktioniert aber zuverlässig. Die restlichen, kleineren Taster sind ein bisschen wackelig. Die Regler (Volume, C1, C2) laufen satt und nicht zu leichtgängig. Das LCD ist hell und gut abzulesen.
Der Kontrast ist einstellbar, allerdings nicht in direktem Zugriff sondern über ein dreistufiges Menu. Im oberen Drittel des Displays werden die aufgerufenen Programme (Tone, Style, Performance, Song) in großer Schrift angezeigt. Im linken unteren Teil des Displays ist eine Tastatur-Grafik abgebildet, auf der die von der Begleitautomatik wiedergegebenen Akkorde mit Punkten angezeigt werden. Darüber wird das Akkordsymbol dargestellt. Rechts daneben wird die Taktnummer (im Song-Mode), das Tempo (Beats per Minute) und der Beat mit vier Segmenten angezeigt. Darunter erscheint das gerade wiedergegebene Muster der Begleitautomatik (Intro, Original, Fill In, Variation, Ending). Die Bedienungsanleitung weiß zu berichten: „Im Display werden alle wichtigen Informationen angezeigt.“ Ich meine: die vielen leuchtenden oder nichtleuchtenden Taster sind ebenso informativ und entlasten das Display von zu hoher Datendichte.
An Anschlüssen (alle auf der Rückseite) vermisse ich nichts. Neben der DC In-Buchse, an die der mitgelieferte Netzadapter angeschlossen wird, gibt es einen Power-Schalter. Die Audio-Outputs sind mit Kopfhörer-, R- und L(mono)-Klinkenbuchse vertreten. Ein Hold- und ein Control-Pedal können auch angeschlossen werden. Über MIDI kann das Gerät mit In- und Out-Buchse verbunden werden. Der USB-Anschluss dient der Verbindung mit dem Computer. Hier wird ein Laufwerk (witzige 2 MB) angemeldet. MIDI gibt es über USB nicht.
Innereien - die Sounds (respektive Tones)
Bei Roland heißt ein Sound Tone und davon sind 606 verschiedene als Presets eingebaut. Zusätzlich gibt es 50 Drumsets. Die Tones können über 10 Kategorien (Piano, KBD/Organ, Strings, Scat, Sax/Brass, Synth, World1, World2, Drums) mit separaten Tastern auf der rechten Seite des Bedienfeldes angesprungen werden. Weitergesucht/-geschaltet wird dann mit dem VALUE-Rad. Eine Zehnertastatur für die direkte Anwahl gibt es nicht.
Mit Vorwahl über die Favorite-Taste kann auf jeder der 10 Kategorie-Tastern ein Lieblings-Tone abgelegt und abgerufen werden. Es gibt einen Split- (linker und rechter Bereich der Tastatur spielen verschiedene Tones) und einen Dual-Mode (auf der gesamten Tastatur werden zwei Tones gleichzeitig gespielt). Direktzugriff auf einige Tone-Parameter erhält man über die Analog Modify-Sektion links neben dem Display. Über die Regler C1 und C2 kann man 2 Parameter zeitgleich beeinflussen. Über einen Taster können die Parameterpaare umgeschaltet werden. Da gibt es Cutoff und Resonance sowie Attack und Release. Ein weiteres Parameterpaar steuert die Send-Volumes der Effekte Reverb und Chorus. Letztlich lassen sich noch die Lautstärkeverhältnisse zwischen Drums und der übrigen Begleitband sowie zwischen Begleitung und dem Keyboardpart einstellen. Die Preset-Tones können über das Edit-Menu in den Werten Volume, Portamento on/off, Portamento-Time, Cutoff, Resonance, Attack, Decay, Release, Vibrato Rate, Vibrato Depth und Vibrato Delay verändert und in einem der 128 User-Speicherplätze abgelegt werden. Das war’s. Ist ja schließlich kein Synthesizer. Und wie klingt die Kiste nun? Na ja, einige Sounds sind ganz gut spielbar. Als Beispiel hierfür soll EP Legend dienen.
Eine Reihe anderer Sounds sind kaum brauchbar, da sie zu steril klingen. Insgesamt würde ich die Sounds als hinreichend ansehen. In der Menge von 606 Tones ist sicher das eine oder andere Dutzend an Brauchbarem dabei. Ich habe es nicht gemessen, aber den Eindruck, dass das Gerät über den Kopfhörerausgang wie auch über die Anschlüsse R und L(mono) ein wenig stärker rauscht als meine Synthesizer. Ansonsten ist der Klang druckvoll und kristallklar. An dieser Stelle mache ich eine kleine Pause und hebe mir alle weiteren Fragen für den nächsten Teil auf. Bis dahin!
siehe auch:
• Komponierhilfe gesucht…
• angetestet 2. Teil: Roland GW-7
• angetestet 3. Teil: Roland GW-7
Akkordwechsel